German poem
Mein Engel
by Ernst Koch (1808–1858)
Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land, Da hab' ich krank gelegen, Da that mich keine liebe Hand In meinem Fieber pflegen.
Bei Nacht im dunkeln Krankensaal Hob ich die schwachen Hände Und bat, daß Gott mir endlich 'mal Den Todesengel sende.
Der thät wohl auf und ab mit Ruh' Von Bett zu Bette wandern, Drückt hier und da die Augen zu Dem einen wie dem andern.
Das meine ward—ich war so froh— Von Tag zu Tage trüber, Doch ging an meinem Bett von Stroh Der Engel stets vorüber.
Wie gern ich auch die matte Hand Ihm hingegeben hätte, Ein and'rer Bote Gottes stand An meinem Krankenbette.
Er trocknet mit dem weißen Tuch Den Schweiß von meinen Wangen, Und hielt mir hin den irdnen Krug, That ich den Trunk verlangen.
Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer Im stillen Kampfe neigte; Es war ja Niemand um mich her, Der mir den Dienst erzeigte.
Hat mir erzählt gar lieb und gut Von meinem Heimathlande, Als ich in einer Fiebergluth Der Mutter Namen nannte.
Ich hab' den Engel nicht geseh'n, Und Niemand konnt' ihn schauen, Doch muß ich seit dem Aufersteh'n Auf seine Vollmacht bauen.