German poem
Nachtwächter-Lied
by Ernst Koch (1808–1858)
Hört, Ihr Herrn und laßt Euch sagen, Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen, Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht, Hab' Euch gesungen bei stürmischer Nacht, Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht! Die Sternlein geh'n hinunter— Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
Die Glocke hat ein Jahr geschlagen! Viel hat sich im Alten zugetragen. Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut, D'rin wohnt eine schöne Himmelsbraut, Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut— Wer reißt uns das Fähnlein herunter? Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
Bewahrt das Feuer und auch das Licht! Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht: Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus, D'rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus, Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus, Behütet den heiligen Zunder! Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht! Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht, Das Haus umschleichet die Diebesbrut: Sie wollen uns stehlen das heilige Gut, Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut! Die Sternlein geh'n hinunter— Halloh, ihr Herrn, seid munter!
Und lobet Gott den Herrn! Er sendet den Morgenstern! Der lässet den Sturm auf der Erde weh'n, Und die Sternlein auf und nieder geh'n! Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe, Denn unser Gott thut Wunder— Halloh, ihr Herrn, seid munter!
Es war mir heut' Abend so einsam, so leer, Als wenn ich von etwas geschieden wär'; Mir war so betrübt, so wunderbar Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war; Ich war verdrießlich und wußt' nicht warum; Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum, Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug, Da blies fern, fern mit bebendem Ton, Ein uraltes Lied ein Postillon. Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt, Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt. Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an, Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan, Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht, Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht.