Versos German Ernst Muellenbach Zum Jahreswechsel

German poem

Zum Jahreswechsel

by (1862–1901)

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Nun, eh’ der Ring der letzten Stunde Sich an des Jahres Kette reiht, Noch einmal sei in trauter Runde Ein Wort dem scheidenden geweiht; Daß, wenn die Mitternacht ertönt Von Turm zu Turm im Winterwinde, Das neue Jahr uns heiter finde Und mit dem alten ganz versöhnt.

Es hat mit Nieten und mit Losen Gespielt nach seiner Ahnen Brauch; Wohl fügt’ es Dornen zu den Rosen, Doch Rosen zu den Dornen auch. Zwei Weggenossen jeder fand, Verdruß und Glück, auf seinen Pfaden, Und beide sind von Gottes Gnaden Für Den, der ihren Wink verstand.

Mit beiden treulich schritt verbunden Ihr wunderlicher Sohn, Humor, Der auch in nebelgrauen Stunden Sein heilsam Lächeln nicht verlor. Und eine noch, die höchste Kraft, Die Liebe, hat uns treu geleitet, Die über Gräber Blumen breitet, Auf Erden schon den Himmel schafft.

Und also – – horcht! die Glocken singen; Die Augen leuchten hoffnungsklar: Mit Segenswunsch und Gläserklingen Sei uns willkommen, junges Jahr! Was mit dem alten nicht geschieden, Erhalt’ es uns: den frohen Mut, Den Fleiß, der Liebe sanfte Glut, Und eines noch – den Völkerfrieden! Ernst Lenbach.