German poem
Das Mädchen
by Ernst Stadler (1883–1914)
Der dumpfen Nächte fieberwaches Schauen wob sie dem Teppich ein mit heißen Händen und sang und spann bis spät ins Abendgrauen.
Nun hing er hingespannt von steilen Wänden mit breiten Borden silbergrünen Säumen und Sternen weiß und wirr gleich Opferbränden
goldadrig funkelnd über schwarzen Räumen. Und Nächte fielen. Und mit heißen Wangen stand sie und sah mit Augen wie aus Träumen
wie sich in stummem Tanz die Fäden schlangen seltsam verwirkt zu fließenden Geweben und jäh und rot vom Fackellicht umfangen.
Und wie aus Brunnen sprang entzaubert Leben. Und schauernd sah sie aus verrankten Schlingen im Zwielicht geisternd hohe Schatten schweben
und Spiegelschein von fremden großen Dingen. Und als im Grund der goldne Flaum verglühte und Schmelz und Farben welk und blaß zergingen
sank sie und losch wie eine Märzenblüte.