German poem
Erfüllung
by Ernst Stadler (1883–1914)
Im Dämmer glommen die gemalten Wände. Ich sah dich an vom großen Schweigen trunken: Und bebend fühlt ich deine weichen Hände und stammelnd sind wir uns ans Herz gesunken.
Wie Kinder die in weißen Frühlingskleidern hinlaufen durch die knospenhellen Hecken und zwischen Büscheln lichtumschäumter Weiden und braunen Halmen spielend sich verstecken
in Baches Silber wundernd sich beschauen und jubelnd folgen bunter Falter Glänzen und Knospen brechen von besternten Auen und singend sich mit Blütenkronen kränzen
bis glühend sie in seligem Ermatten zur Quelle steigen leichten Spiels vergessen und zitternd unter schwanker Birken Schatten die zarten Lippen ineinander pressen.