German poem
_Merseburger Zaubersprüche._
by F. Max Müller (1823–1900)
[Scherer D. p. 15, E. p, 13.]
Aus einer Handschrift der Bibliothek des Domcapitels zu Merseburg herausgegeben in den Denkmälern Nr. 4.
1.
Phol ende Uuodan ‖ vuorun zi holza. dû uuart demo Balderes volon ‖ sîn vuoz birenkit. thû biguolen Sinthgunt, ‖ Sunna erâ suister, thû biguolen Volla, ‖ Frija erâ suister: thû biguolen Uuodan, ‖ sô hê uuola conda, sôse bênrenkî, ‖ sôse bluotrenkî, sôse lidirenkî: bên zi bêna, ‖ bluot zi bluoda, lid zi geliden, ‖ sôse gelîmida sîn.
Phol und Wodan ‖ ritten zu Holze (Walde). Da ward dem Fohlen Balders ‖ sein Fuss verrenkt. Da besprach ihn Sindgund ‖ und Sunna, ihre Schwester, Da besprach ihn Volla ‖ und Frija, ihre Schwester: Da besprach ihn Wodan, ‖ der es wohl konnte, Die Beinverrenkung ‖ wie die Blutverrenkung Und die Gliedverrenkung: Bein zu Beine, ‖ Blut zu Blute, Glied zu Gliedern, ‖ als wenn sie geleimt wären.
2.
Eiris sâzun idisî, ‖ sâzun hera duoder. suma hapt heptidun, ‖ suma heri lezidun, suma clûbôdun ‖ umbi * cuniouuidi: insprinc haptbandun, ‖ invar vîgandun!
Ehedem setzten sich göttliche Frauen, ‖ setzten sich dorthin. Die einen hefteten Haft, ‖ andere hemmten das Heer, Noch andere klaubten ‖ auf die Fesseln: Entspringe den Banden, ‖ entlaufe den Feinden!
3. HELDENSANG.