German poem
Einhundert neun und siebenzigstes Sonett: [Ich wein' am Tag', und Nachts, wo es beschieden]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Ich wein' am Tag', und Nachts, wo es beschieden Elenden Sterblichen, zur Ruh zu gehen, Schwimm' ich in Thränen, häufen sich die Wehen; So spend' ich weinend meine Zeit hienieden. In bitterm Naß muß ich das Aug' ermüden, Das Herz in Leid, und mich den Aermsten sehen Von allen Wesen; denn nicht zugestehen Wollen der Liebe Pfeile mir den Frieden. Weh! daß von ein' zu andrer Sonn' ich wandre, Von ein' zu anderm Schatten! daß entflohen Der größte Theil des Tods, der Leben heißet! Mehr, als mein Weh, schmerzt, was verbrach das Andre, Daß Mitleid und mein treuer Schutz mich lohen Im Feuer sieht und mich ihm nicht entreißet.
More by Francesco Petrarca
- Einhundert neun und dreyßigstes Sonett: [Wenn Blickes heitre Sonnen sich entschließen]
- Einhundert neun und fünfzigstes Sonett: [Den Geist ich mit so edler Speise nähre]
- Einhundert neun und neunzigstes Sonett: [Amor, ich irr', und seh', daß irr' ich gangen!]
- Einhundert neun und sechszigstes Sonett: [Weh, daß ich glüh' und Eine nicht will trauen!]
- Einhundert neun und vierzigstes Sonett: [Wenn mich ihr süßer Blick zum Tod' entzückte]
- Einhundert neun und zwanzigstes Sonett: [Amor, du kennst mein Denken all' und Hoffen]
- Einhundert sechs und achtzigstes Sonett: [Wann Sol in's Meer taucht seinen goldnen Wagen]
- Einhundert sechs und dreyßigstes Sonett: [Ihr Antlitz oft mit menschlich-holden Zügen]