German poem
Zweyhundert fünf und siebenzigstes Sonett: [Wohl hatte Amor stillen Port gewähret]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Wohl hatte Amor stillen Port gewähret Nach wilder Stürme langen, großen Fahren In reiferm Alter, guter Sitt' erfahren, Das, fremd dem Laster, Tugend schmückt und ehret. Mein Herz schon strahlt' aus Augen wie verkläret, Die hoher Treue nicht mehr abhold waren. Ach, grimmer Tod, wie hast von vielen Jahren Die Frucht im Nu so plötzlich du verheeret! Lebte sie noch, sie käm', und fröhlich nieder Legt' sprechend ich in jene keuschen Ohren Die alte Bürde meiner Herzensfreuden. Vielleicht zu mir dann sagte sie auch wieder Ein frommes Wort, in Seufzern leis geboren, Da Wang' und Haar verwandelt an uns Beyden.
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