German poem
Zwiegespräch an der Mauer des Paradieses
by Franz Werfel (1890–1945)
Müde in den schmerzensreichen Schuhn, Durch den Tag der Straßenqual gegangen . . . Fang mich, Abend, auf, in Dir zu ruhn, Süßer Ort, aus dem ich angefangen! Meinen Pack von alten Schultern nun Werf ich ab mit einem langen, langen Atem, um mich ganz in Dich zu tun.
Ja ich tauche auf aus allem Staub, Süße Mauer, traumwärts hergebaute, Tiefer Wind, der sich ins Haar mir staute, Als der Engel loderte im Laub! Ja ich komme mit den schweren Rinnen, Scharfen Tränenschluchten im Gesicht. Gärtner mit dem Bart, verstoß mich nicht, Höre auf, mich zu beginnen! Laß zum Tor verstürzen das Gemäuer. Schlage eine kleine Bresche ein, Daß ich sanft in einem Weidenfeuer, Oder kräuselnd mich am Bach ein scheuer Windgefährte hebe an zu sein.
Stimme aus dem Garten
Ich darf Dich nicht lassen ein, Und darf mich nicht lassen aus, Ich muß mich fassen ein, Und gieße Dich in Gassen aus. Mein Haus ist wüst, Meinen Garten hast Du versandet, Ich bins, der für Dich büßt. Kein Schwan mehr landet In meinem See, der hohlgeht und brandet. Die alten Bäume sind verbrannt, Die schönen Tiere starben in Gesträuchen, Und ich vermag die Würmer nicht zu scheuchen, Aus meinem Beet und Rebenstand. Im Herbst, wie eine alte Frau Wall ich vorbei an eingesunkenen Malen, So bettelhaft. Dein ist die Kraft. Mach, daß ich möge neu erstrahlen, Aus dieser Wüste weggeworfener Schalen, Den guten Garten wieder auferbau!
Adam
Durch tausend abgespannte Stunden Hab ich zu Dir mich hergefunden, Du wirfst mich fort.
Stimme auf dem Garten
Wir sind, mein Sohn, so sehr verbunden, Daß Du Dich triffst mit Deinem eigenen Wort.
Adam
Erbarm Dich mein!
Stimme aus dem Garten
Erbarm Dich mein!
Adam
Mir Abgebückten mit zerrissenen Füßen, Willst Du die Tür des Schlafengehns verschließen? Ist Gnade nicht Dein Gut zuhöchst erlaucht?
Stimme aus dem Garten
Ich habe meine Gnade ausgegeben, Sie waltet unerschöpft in Deinem Leben, Für Dich hab ich sie ganz, Du nie für mich gebraucht.
Adam
So wird dies Altern nimmer enden, Und keine Heimat macht mich wieder klein?
Stimme aus dem Garten
Bestelle mich mit Deinen Händen, Und Heimat werden wir uns beide sein, Und kehren ein!
Adam
Weh, daß kein andres Wort mich tröste, Und dies zurücke mich in Städte stößt!
Stimme aus dem Garten
Kind, wie ich Dich mit meinem Blut erlöste, So wart' ich weinend, daß Du mich erlöst.