Versos German Friederike Brun Kronenburg am Sunde

German poem

Kronenburg am Sunde

by (1765–1835)

Listen in the reader

Des Abends Purpur sinkt in den Hain herab, Am Meeresstrand steht herrschend die Festung da; Dumpf rollt die Wog’ an des Ufers Kiesel; Kulla steht schaurig im Duft der Ferne .

Der Dolen Heer umschwärmet den grauen Thurm, Laut schreiend streift die Möve der Wogen Haupt; Der Sturm verhallt in den Felsengängen, Rasselnder Ketten Getön erklirret.

Die Dämmrung schwebet leis’ auf des Meeres Schooß. Die Woge thürmt sich hoch ans Gestad’ empor – Es sinkt die Wolke – das Meer steigt brausend; Trübe verlischt der Gestirne Fackel.

Des Pharos Flamm’ entglimmet auf Kullas Höh’; Sie wehet schwankend unter des Sturms Geheul, Das lauter tobt und des bangen Schiffers Aengstlichen Flehens verhöhnend spottet.

Das Seegel reißt, und krachend entstürzt der Mast; Es siedet das Meer und gürtet mit Schaum den Fels; Das Schiff zerschellt an der schroffen Klippe – Wehklag’ ertönt in des Dunkels Grausen.