German poem
Sehnsucht nach der Schweiz
by Friederike Brun (1765–1835)
Sehnend denk’ ich Eurer stillen Hütten, Wo die Unschuld immer lächelnd wohnt; Wo die Einfalt väterlicher Sitten Reines Blut und muntres Alter lohnt.
Thränen rinnen, denk’ ich Eurer Höhen, Eurer tiefen Thäler frisch umkränzt; Eurer Eisgefilde, Eurer Seen, Sanft vom Aetherhimmel überglänzt;
Und der Wiesenplane, wo im Weiden Unter Kindern Ziegenheerden geh’n, Und der Kindheit zephyrgleiche Freuden Mit den Blütenflocken mich umwehn:
Wo des Felsstrom’s nächtlich wildes Rauschen, Das der Abhang schwindelnd überblickt, Stumm der Hirt und seine Braut belauschen, Tief im Anschau’n seiner Kraft entzückt;
Wo des Knaben braune Pfirsigwange Glänzend schwarzes Lockenhaar umwallt, Und aus voller Brust im Lenzgesange Kraftgefühl und Freiheitssinn erschallt;
Wo Natur und Menschheit still vereinet, Hand in Hand, auf Himmelshöhen geh’n; Wo kein Auge bittre Thränen weinet, Frohe Blicke nur zum Himmel seh’n!