Versos German Friederike Kempner Dem kleinen Prinzen B. von C. zum Geburtstage

German poem

Dem kleinen Prinzen B. von C. zum Geburtstage

by (1828–1904)

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Kleiner Prinz, wirst größer werden, Wandle wohlgemut auf Erden Dein sei Freude, dein sei Glück, C...land kehre Dir zurück.

Deiner Ahnen hohe Ziele Waren keine Kinderspiele Menschenfreunde gab's dabei: Prinz, ein Freund der Menschen sei!

Hebe hoch die freien Schwingen, Laß Dich nicht vom Feind berücken, Hülfe kann der Morgen bringen, Und die Bosheit geht in Stücken.

Zu des Orkus finsteren Gewalten Lege ich mein lebensmüdes Haupt, Ungeheuer, öffne Deine Falten, Viel hab' ich gestrebt und viel geglaubt!

Jung und kräftig und vom Muthe strahlend, Lebenswarm die Brust, das weiche Herz: Mitwelt, Deine Schuld bezahlend, Gräbt die Nachwelt einst mein Bild in Erz.

Vöglein auf den grünen Zweigen, Die sich auf- und abwärts neigen, Freude hebet eure Brust, Klopfen hör' ich sie vor Lust!

Frühlingswonne, Schwalben, Lerchen, Laut Geklapper unter Störchen, Wiedersehen, Reiselust, Hohe Freude in der Brust.

Gönnet mir die Freudenfeier, Meine Seele athmet freier, Herr im Himmel, habe Dank Für den innern Festgesang!

Ein purpurnes Röslein auf grüner Au, Ein güldenes Sternlein am himmlischen Blau, Ein singendes Vöglein auf schwankendem Ast, Sag' an, was Du Schönres zu zeigen hast?

Gar schön ist das Röslein auf grüner Au, Gar prächtig das Sternlein am himmlischen Blau, Gar frei ist das Vöglein auf schwankendem Ast, Und Freiheit und Schönheit zusammen wohl paßt!

Ist die Weihe denn gewichen Sind die Blumen all' verblüht? Ist der duft'ge Schmelz gestrichen? Ach, ein dichter Nebel zieht!

Und in diesen eingehüllet Lichtlos scheint der Horizont— Keine Sehnsucht wird gestillet, Keine Blüthe, die sich sonnt!

Hab' ich Dich bisher geleitet, Wanke nicht an meiner Hand, Sieh', der Teppich ist gebreitet, Und es grüßt das Uferland.

Und es lächeln alle Sterne, Und die schön're Sonne winkt,— In der Nähe, in der Ferne Dich der Allmacht Arm umschlingt.——

Als ich heut so bitterlich, Tief vor Gott geweinet, Da—ein kleines Vögelein Meinem Schmerz sich einet;

Flog zu mir bis an den Sims Meines Fensters treulich: »Weine nicht, Du Herzensmaid, Schrecklich ist es freilich.«

Also sprach das Vögelein, Mit den braunen Blicken: »Einstens wird es besser sein!«—

Und mit Kopfesnicken, Breitet es die Flügelein, Und entfloh den Blicken.

Alles Träumen Tauget nichts, Werth ist's kaum Des Stückchen Lichts.

Alles schwindet Um uns her, Groß ist nur der Vergangenheit Meer.—

Tief gelegen Hinter mir, Ist der Traum, Der goldne, mir.

Alles Träumen Tauget nichts, Werth ist's kaum Des Stückchen Lichts.

Heiße Thränen fließen, rauschen, Ueber mein Gesicht, Ob die Englein ihnen lauschen? O, ich zweifle nicht!

Bin so öde, bin so trübe, Melancholische Gestalt, Wenn es nur nicht also bliebe, Glühend heiß und kalt!

Frühlingslüfte wehen leise, Traurig ist das Herz, In der unbewußten Weise, Doch verwandt dem Schmerz.

Bunte Schmetterlinge fliegen Zu den Blüthen auf, Nächst der Blüthe kriecht das Würmlein, Lauert schon darauf!—

Ist auch schön die Außenseite, Inn'res ist nicht—süß: In der Welten Länge und Breite »Bitter«—man es hieß!

Habt ihr mir es gar verleidet, Dieses kleine Leben, ach, Wenn mein Geist einst von euch scheidet, Sag' ich euch nichts Gutes nach;

Denn das Aller-Allerbeste, Trug ich glücklich in der Brust, Freudig glich sie einem Feste, Täglich feiernd neue Lust!

Und die frohen Blüthen alle, Breitete ich vor euch aus: Wieder gab't ihr mir nur Galle, Machtet traurig, ach mein Loos!

Purpurn glänzt die Abendröthe, Still der Prosna zugekehrt, Man ein Frau'nbild beten hört: Warum weint Frau Margarethe?

Fremdling frägst, warum ich bete? Hast von der Legion gehört, Die vom Schwerte ausgezehrt, Polens Boden blutig säte?

Lieber Sohn war mit dabei, Hochgelehrt und achtzehn Jahr, Stärker war die Tyrannei;

Reichte das Schwert ihm selber dar, Fremdling, eine Thräne weih': Polens Asche, sei fruchtbar!—

Alles grünt und alles blüht, Aber nicht in meinem Herzen, Ach, in meinem Herzen glüht Nur das Morgenroth der Schmerzen;

Seine Blüthe, Röselein, Purpurröselein genennet, Das erschließt sich groß und klein, Wenn 'ne schlimme Wunde brennet.