Versos German Friederike Kempner Gretchen

German poem

Gretchen

by (1828–1904)

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Mädchenthränen, Schmerzlich Sehnen, Perlen aus des Himmels Thau, Werden weiß und werden grau.

Einer Seele weiches Sehnen, Eines Herzens schmerzlich Dehnen, Hui, das ist so warm und kalt Wie gespenstische Gestalt.

Eisig schmückt es alle Wände, Starr und freudlos alle Hände, Alles schweigend, alles stumm, Nur der Böse geht herum.

Weiße Blüthen, grüne Zweige, Unschuld, Güte fesselt mich, Sicher leiten eure Steige, Abseits geht es fürchterlich.

Rosenbüsche, dunkle Haine, Duftig blühende Sinnlichkeit, Nennest niemals mich die Deine, Falsch ist Deine Süßigkeit.

Deine Stürme, Deine Wogen, Deine ahnungsschwere Lust, Sicher haben sie betrogen Manche unschuldsvolle Brust.—

Ja, ja, es kommt noch nach, Das Schöne kommt noch nach, Es rufen Freudentöne Die Herzenslust Dir wach.

Ja, ja, es kommt das Gute, Das Gute kommt noch nach, Die Tugend mit dem Muthe, Sie ruft das Rechte wach.

Ja, ja, es kommt der Glaube, Auch er, er kommt noch nach, Er ruft dem Sohn vom Staube Einst das Gewissen wach!—

Sei Dir Alles gleich, mein Kind, S' ist ja alles gleich, Jedes Ding vergeht geschwind In dem flüchtigen Reich.

Freud und Leiden, Schmerz und Glück, Eis und Schnee und Sonnenblick, Alles trifft ja ein Geschick, Kommt auf eins zurück.—

Inn'res Glück nur wechselt nie, Das Bewußtsein bleibt, Ewig gleich der Poesie Seine Blüthen treibt.

Bittrer als der Tod ist Leben, Wenn ein stolzes Herz verletzt,— Sieh', die Furien sich erheben, Deren Stahl die Hölle wetzt.

O, Der kennt die Seelen wenig, Der die besten stille schmäht, Sah man jemals einen König Der um Schwarzbrot betteln geht?

In dem lichten Sonnenglanze, Wandelnd durch das Leben hin, Schaffend, wirkend für das Ganze, Treu mit heißem, festen Sinn.

Wer für jedes Glied des Ganzen, Gerne gäb' sein Herzensblut, Liebend, selbst das Thier, die Pflanzen, Dessen Herz ist rein und gut.

Bittrer als der Tod ist Leben, Wenn ein solches Herz verletzt, Sieh' die Furien sich erheben, Deren Stahl die Hölle wetzt.

O, Der kennt die Seelen wenig, Der die besten wagt zu schmähn, Sah man jemals einen König, Einen König betteln gehn!

Mir träumte, daß ich stund An eines Teiches Grund, Und sieh', mein Mutterlieb, Es schaute drinn so trüb'.

»Was machst so trüb Gesicht«— Fragt ich, »ich fass' es nicht.« »Bist gut«,—sprach sie,—»mein Kind, Weißt nicht, wie bös' sie sind;—

Du faßt das Böse nicht, D'rum mach' ich trüb' Gesicht.« So sprach mein Mutterlieb Und ich erwachte trüb'.