German poem
Klänge aus den Tropen
by Friedrich Gerstäcker (1816–1872)
„Joranna, Joranno, auf Nimmerwiedersehn!“ Und siehst du das Mädchen noch dort am Ufer stehn? Sie winkt und sie schwenket hoch in der Luft das Tuch. „Laß ab!“ klagt der Eine – „mich schmerzt’s ja schon genug. Ich muß dich verlassen, und liebe dich so – Joranna, Joranna, nun werd’ ich nimmer froh.“
Doch fort die Gedanken, hier hilft kein Träumen mehr, Das Boot ist gerüstet und dorten liegt das Meer. Die Brandung der Riffe, da wälzt sie schon heran, Nun wahre dein Steuer mein wackrer Schiffersmann. Da kommt sie – da rauscht sie – nun schäumt sie wild vorbei, Jetzt auf mit der Leinwand! Hinaus, die Bahn ist frei!
Hei sieh’ wie er tanzet und wie er springt, mein Kahn, Er fühlt, wie lebendig, den starken Gegner nahn. Hinaus in die Wogen – hin schießt das Boot im Flug, Die Wellen sie brausen, hoch spritzt der Gischt am Bug. Hinaus in die Wogen! hinaus! die Segel blähn, Joranna, Joranna, auf Nimmerwiederseh’n!“
Wo der La Plata rauschend floß, Auf üpp’ger Pampas weichem Grund Vor der Estancia stampft das Roß, Das Steppenroß, den Rasen wund. „Zu Pferd!“ Des alten Gaucho Faust Die Mähne packt – ein Sprung, ein Schrei, Und wie das Blei dem Rohr entsaust, So schnellt das Roß – es fühlt sich frei.
Hei! wie die Luft den Poncho greift Und wild dir an die Schultern schlägt – Hei! wie der Wind dein Haar durchpfeift, Und wirr Dir um die Schläfe jägt.
Die Zügel locker in der Hand, Die Linke fest am Büchsenlauf, Und hinten aus stiebt Kies und Sand Und Sand und Staub fliegt wirbelnd auf.
„Greif’ aus, mein Thier – nicht Rast, noch Ruh – Im Rücken liegt die weite See; Greif’ aus, greif’ aus und trag, mich zu Der Cordillere ew’gem Schnee.
Hier gilt es keinen Ritt zum Spiel, Wie Nachmittags zum Thor hinaus; Ein ganzer Welttheil ist das Ziel. Hindurch, mein wack’res Thier! Greif’ aus!“
„Bin ich denn in einem wilden Märchenhaften Traum befangen, Wo aus tollen Truggebilden Weite Riesenarme langen.
Und mich tiefer nur und schneller In ihr Fabelreich entführen, Während heller doch und heller Sich die Gruppen selbst formiren?
Stehen denn nicht dort die Palmen Mit den schwankend grünen Dächern, Wie ein Wald von Riesenhalmen, Hochgekrönt mit schlanken Fächern?
Dort breitblätt’rige Bananen Dicht gemischt mit den Limonen, Hier die Brodfrucht, die Platanen, All’ die Früchte heißer Zonen?
Und tief unter mir die weiten Wunderbaren Baumkorallen, Ueberdeckt von einem breiten Dome funkelnder Crystallen?
Berge bilden sie und Seen, Schroffe Hänge, düst’re Schluchten; Weite Felder, sanfte Höhen, Ströme – friedlich stille Buchten. Ist das Wirklichkeit? und zwischen All’ den fabelhaften Gruppen, Das Gedräng’ von tausend Fischen Mit den schillernd bunten Schuppen!
Kleine, wunderschnelle Dinger, Wie sie spielen und sich necken, Kürzer als mein kleiner Finger, Die sich haschen und verstecken.
Wie sie schwimmen in den Buchten, Und sich zeigen und sich winden Und dann plötzlich in den Schluchten Wie durch Zauberei verschwinden.
Meine Finger tauch’ ich schäumend In die leicht gekräusten Fluthen, Und ich kühle damit träumend Meiner Schläfe wilde Gluthen.
Doch die Indianer lachen, Denn dort winken frische Quellen Und sie treiben unsern Nachen Stärker nach den kühlen Stellen.
Möchte fast dem Ruder wehren, Das so schleunig uns zum Land schafft; Doch die Indianer scheeren Sich den Henker um die Landschaft.
In den Schatten der Guiaven Sind sie todesmüd’ gesunken, Und die armen Teufel schlafen Wie sie kaum sich satt getrunken.