German poem
Lied der Freundschaft
Frei, wie Götter an dem Mahle, Singen wir um die Pokale, Wo der edle Trank erglüht, In der Abenddämmrung Hülle, Und im Herzen ernst und stille, Singen wir der Freundschaft Lied.
Schwebt herab aus kühlen Lüften, Schwebet aus den Schlummergrüften, Helden der Vergangenheit! Kommt in unsern Kreis hernieder, Staunt und sprecht: Da ist sie wieder, Unsre deutsche Herzlichkeit!
Ha, der hohen Götterstunden, Wenn der Edle sich gefunden, Der für unser Herz gehört! Fest in Freud’ und Leid zu stehen, Wie im Sturm die Felsenhöhen, Ist des deutschen Jünglings werth.
Froher schlägt das Herz und freier, Reichet zu des Bundes Feier Uns der Freund den Becher dar; Ohne Freuden, ohne Leben Erndtet’ er Lyäus Reben, Als er ohne Freunde war.
Männerstolz, wenn Lästrer schreien, Wahrheit, wenn Despoten dräuen, Seelenkraft im Mißgeschick, Duldung, wenn die Schwachen sinken, Liebe, Duldung, Wärme trinken Freunde von des Freundes Blick.
Sanfter athmen Frühlingslüfte, Süßer sind der Linde Düfte, Freundlicher der Eichenhain, Wenn mit offnem Sinn und Herzen, Unter Ernst und muntern Scherzen Freunde sich des Abends freu’n.
Brüder, laßt die Thoren sinnen, Wie sie Gunst und Dunst gewinnen, Wie sie sammeln Gut und Geld; Lächelnd kann’s der Edle missen, Sich geliebt, geliebt zu wissen, Ist sein schönstes Glück der Welt.
Führt auch aus der trauten Halle Einst die Auserwählten alle In die Ferne das Geschick, Wandelt er mit Gram beladen Oft auf freudelosen Pfaden, Missend das verlorne Glück;
Wankt er, wenn sich Wolken thürmen, Einsam in Gewitterstürmen, Ohne Leiter, ohne Stab; Lauscht er schmerzerfüllt und düster Bangem Mitternachtsgeflüster Sehnsuchtsvoll am frischen Grab;
Dann erquicken ihn die Stunden, In der Freundschaft Arm verschwunden, Tröstend durch Erinnerung; Das Gedächtniß vor’ger Freuden Labt das Herz in bangen Leiden, Gibt der Seele neuen Schwung.
Dann gedenkt er ruhig wieder Mancher frohgesungnen Lieder, Und der Schwüre, treu und warm; Und geweckt von stillem Sehnen Quellen schwerverhaltne Thränen, Und beschwichtigt ist der Harm.
Rauscht ihm dann des Todes Flügel, Schläft er ruhig unter’m Hügel, Wo der Freund den Kranz ihm flicht. In das Herz der Bundesbrüder Säuselt noch sein Geist hernieder: Lebet wohl! Vergeßt mein nicht!
Hölderlin.