German poem
Bild des Lebens
by Friedrich Schlegel (1772–1829)
Krank, matt, gebückt, sah ich den Alten schleichen, Den Blinden muß die Hand des Mitleids führen. Weh! die der Augen süßes Licht verlieren; Das könnte wohl den härt'sten Sinn erweichen!
Ob bald die Nebel vor der Sonne weichen, Fragt er, die Strahlen schon die Berge zieren. Es hörend, hebt er an zu triumphieren; Froh, durch Gesang den Himmel zu erreichen.
Das war es, was mich mehr als Tränen rührte; Ein rechtes Bild des armen Menschenlebens, Wie Blind' auch uns in Nacht das Mitleid führte.
Die Sonne sucht der dumpfe Blick vergebens; Selig, wenn nur das Herz den Strahl noch spürte, In Nacht das Licht begrüßend unsres Strebens!