Versos German Friedrich Schlegel Weihnachtslied

German poem

Weihnachtslied

by (1772–1829)

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Am Weihnachtsabend in der Still' Ein tiefer Schlaf mich überfiel Mit Freuden ganz umflossen; Mein' Seel' empfing viel Süßigkeit, Vor Trost ich schier zerflossen.

Ich träumte wie ein Engel käm' Und führte mich gen Bethlehem, Ins jüd'sche Land gar ferne: Ein Wunderding sich hier begab, Hör' zu, dies von mir lerne.

In einen Stall ging ich hinein, Darin ein Ochs und Eselein Ihr Heu beim Kripplein aßen: Ein frommer Mann, ein' Jungfrau zart Bei ihnen kläglich saßen.

Die Jungfrau hat auf ihrem Schoß Ein Kindelein ganz nackt und bloß, Doch schien es als die Sonne: Sein' Äuglein strömten Glanz umher Gleichwie ein lichter Bronne.

Dies Kindlein ward der große Gott, Der uns Bedrängten hilft aus Not, Der alle Dinge machte; Die Welt erkennt den Schöpfer nicht, So gar sie ihn verachte.

In arme schlechte Windelein Ihr Kind die Jungfrau wickelt ein, Legt's in die Kripp' mit Neigen; Dies ist der Thron, wo Gottes Sohn Sein' Liebe wollt' bezeigen.

Hört weiter an, was ich euch sag': Die Nacht ward licht, als wär' es Tag, Viel Engel hört man singen; Mit Harfen und mit Lautenklang In hoher Luft erklingen.

Ein Engel sprach zur Hirtenschar: Entsetzt euch nicht, nur Freud' fürwahr Hört ihr aus meinem Munde; Eu'r Heiland jetzt geboren ist, Frisch auf zu dieser Stunde!

Alsbald die Hirten dies gehört, Beschlossen sie auch ungestört Gen Bethlehem zu reisen; Das Kindlein dorten anzuschaun, Ihm Liebe zu beweisen.

Sie zogen hin mit schneller Eil', Der Weg war eine halbe Meil', Bis sie zum Kripplein kamen; Sieh da Maria fanden sie, Joseph, das Kind zusammen.

Als sie daselbst gegangen ein, Joseph hieß sie willkommen sein, Dem sie erzeigten Ehre; Da zeigten sie die Wunder an, Dies freut die Mutter sehre.

Sie fielen nieder hin zur Erd', Anbeteten den Heiland wert, Für Freud' sie mußten weinen; Dann opfern sie ihm Gaben auf, Ein Lämmlein von den Kleinen.

Alsbald kehrten sie wieder um, Es ward das Evangelium Durch sie bekannt im Lande; Es ihnen niemand glauben wollt', Weß' Orts er war und Stande.

Dies ist's, was ich im Traum gesehn, Doch ist's kein Traum, es ist geschehn, Was ich als Traum erzählet; Wahr und wahrhaftig dieses ist, Nichts ist daran gefehlet.