German poem
Unter der Linde
by Friedrich von Hindersin (1858–1936)
Unter der Linde, Im Abendwinde Sah ich verborgen mein Liebchen stehn. Still wie die Schlangen Kam ich gegangen, Niemand im Dorfe hat mich gesehn.
Fasste die Kleine; „Was so alleine Stehst du, mein herzallerliebster Schatz? Willst du voll Schrecken Scheu dich verstecken, Weil du das Herz mir gestohlen hast?“
Unter der Linde Im Abendwinde Schrie sie leise und lachte mich an. „Willst du schweigen, Stille dich zeigen! Küss dich zur Strafe so oft als ich kann.“
Kosen und Scherzen, Lachen und Herzen, Leiser und leiser wird es gemach. „Küsse dir wieder Augen und Lider. Häscher und Späher, sie werden nicht wach.“
Mich und die Kleine Hat ganz alleine Nur auf dem Zweige der Zeisig gesehn. Unter der Linde, Im Abendwinde, Frage mich niemand, was da geschehn!