German poem
Die Welt ward nicht auß Sonnen-Staube
by Friedrich von Logau (1605–1655)
Ich weiß nicht, ob die Welt kan länger stehn und halten, Weil da und dort ihr Bau nimmt Brüche, Risse, Spalten. Gott scheidet sich von uns; wir scheiden uns von Gott. Die Wolfahrt reumt das Land, und bleibt uns nichts als Not; Die Tugend fleucht seitab; die alten Laster weichen Der neuen Teuffeley. Es künnen sich nicht gleichen Der Unterthan und Herr, der Herr und Unterthan; Der Mann sucht fremdes Weib; das Weib sucht fremden Mann. Der Himmel wil nicht mehr der Erde Saamen günnen; Die Erde wil nicht mehr wie vor gebären künnen. Das macht, daß man zum Theil dem Epikurus gläubt: Die Welt werd ehstes das, was in der Sonne stäubt.