German poem
An Laura
by Friedrich von Matthisson (1761–1831)
Wann der Abend die Gefilde röthet, Alles sich im Dämmerlicht verschönt, Wann die Nachtigall im Grünen flötet, Und des Dorfes Glocke tönt;
Wann mit Golde sich die Wolken säumen, Wann des Baches Stimme leiser hallt, Und von duftbewölkten Gartenbäumen Blüthenregen niederwallt;
Oder wann, mit hoher Ahndung Schauer, Die verschwiegne Nacht vom Himmel sinkt, Und voll Sympathie und stiller Trauer Jeder Stern herunterblinkt;
Wann der volle Mond, mit bleichem Strale Schwermuthsvoll wie ein getrennter Freund, Auf die frühen moosbewachs'nen Maale Himmlischer Geliebten scheint:
Dann erwache, mit dem Himmelsklange Der Begeisterung, dein Saitenspiel, Dann, o Laura, werde zum Gesange Süsser Schwermuth dein Gefühl!