German poem
Die Spinne und der Seidenwurm
by Friedrich Wilhelm von Hoven (1759–1838)
In ein gewißes Haus kam einmal eine Spinne, Und hub allda zu spinnen an, Und sprach zum Seidenwurm: „Sieh da, was ich beginne! „Ein Beytrag stünde mir von dir nicht übel an.“ – Der Seidenwurm ließ sonder Zwang Sich sogleich dazu willig finden, Und fängt wohl an, ihr ellenlang= Gedrehte Fäden einzusenden; Die legt sie dann in ihr Gemächt Jezt hier, jezt anderwärts zurecht. – Da sizt sie nun entzükt in sich verloren Ob ihrem Wunderding, das sie zur Welt gebohren; Als plözlich aufgemacht Die Stubenthüre kracht. – Wer tritt herein? – Die Magd, den Besen in der Hand, – Gerüstet steht sie da, die Stube auszufegen; Da glänzt und schimmert von der Wand Das Spinngewebe ihr entgegen. – „Herunter du!“ – Sie sagt es kaum, so riß Der Besen schon sich in die Höh und stieß Wie ein Komet mit seinem Flammenschwanze, Den eine Welt der Herr zertrümmern hieß, Das Spinngeweb, nach hundertfachem Riß, Zu Boden in den Staub, troz seinem Seidenglanze;
Fragt ihr, wie ließ sich drob der Seidenwurm vernehmen? – Er schlich gelassen fort und sprach: – „Wer sollt sich wohl ob solchem Unstern grämen? „Ich schrieb an einem Almanach! ! !„ –
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