German poem
Ordonnanzen!
by Georg Herwegh (1817–1875)
Ordonnanzen! Ordonnanzen! Meine Völker müssen tanzen, Wie ich ihnen aufgespielt! Eins – zwei – drei – und Runde! Runde! Tanzet, ihr getreuen Hunde, |: Wenn der König es befiehlt. :|
Lernt des Lebens Lust begreifen, Euer König wird euch pfeifen – Und ihr werdet ihn verstehn. Nur im Kreise, nur im Kreise, Nach dem Takt der Russenweise, |: Nur um mich sollt ihr euch drehn. :|
Ich bin euer Kopf und Magen, Antwort Ich auf alle Fragen, Aller Rede letzter Sinn; Ihr der Abglanz nur des Fürsten – Und wer wagte noch zu dürsten, |: Wenn ich selber trunken bin? :|
Volksvertreten? Volksvertreten? Beten sollt ihr, ruf ich, beten! Ich bin Solon und Lykurg! Brecht mir nicht des Schweigens Siegel, Denn ich habe Schloß und Riegel; |: Gott ist eine feste Burg! :|
Ordonnanzen! Ordonnanzen! Meine Völker müssen tanzen, Wie ich ihnen aufgespielt! Tanzt, o Polen – tanzt, o Deutsche, Alle nach derselben Peitsche, |: Wenn der König es befiehlt! :|
Ich bin König, meine Gründe Donnern durch Kanonenschlünde In des Pöbels taubes Ohr; Rasselt irgendwo die Kette, Hunderttausend Bajonette |: Schaffen Ruhe wie zuvor. :|
Wer sich rühret, wird geschlossen Und wo möglich schon erschossen, Eh man ihm das Urteil fällt. Die Justiz – geheim und schnelle, Fördert noch vor Tageshelle |: Jeden Meutrer aus der Welt. :|
Freiheit – welch ein toll Begehren! Ja, der Henker soll sie lehren Euch zum Schrecken und zum Graus; Wird der Vorrat hier zu mager, Hilft ja gern mein lieber Schwager |: Mir mit seinen Galgen aus. :|
Ordonnanzen! Ordonnanzen! Meine Völker müssen tanzen, Wie ich ihnen aufgespielt! Tanzt, ihr Deutschen – tanzt, ihr Polen, Wie der Zar es mir befohlen, |: Wie's der König euch befiehlt! :|
Jeder Flügel sei beschnitten, Auch dem Amor – der die Sitten Unsres Reichs kompromittiert. Und von nun an sei bewußtes Bett von weiland Herrn Prokrustes |: Als Reichsehbett eingeführt. :|
Nur ein Vorurteil ist Liebe; Unsre ungestümen Triebe Zügl ich durch ein christlich Joch. Ich bin Herr von allen Sachen, Und allein das – Kindermachen |: Laß ich euch in Gnaden noch. :|
Ich verbiete, ich erlaube, Ich nur denke, ich nur glaube, Und ihr alle seid bekehrt. Jeden Zweifel löst die Knute: Hat man denn das Absolute |: In Berlin umsonst gelehrt? :|
Seid ihr denn nicht meine Knechte? Und ihr fragt nach einem Rechte, Wenn der König was befiehlt? Ordonnanzen! Ordonnanzen! Meine Völker müssen tanzen,
Wie ich ihnen aufgespielt!