German poem
Tief, tief im Meere sprach einst eine Welle
by Georg Herwegh (1817–1875)
Tief, tief im Meere sprach einst eine Welle: Wie glücklich müssen meine Schwestern leben, Die droben strahlend auf und nieder schweben; O dürft' ich einmal an des Tages Helle!
Wie sie gebeten, so geschah ihr schnelle, Sie durfte aus dem dunkeln Schoß sich heben; Doch kaum war ihr ein Sonnenstrahl gegeben, Lag sie schon sterbend an des Ufers Schwelle.
O mögen alle doch ihr Schicksal loben, Die still geheim des Lebens Kreis beschreiben Und nie die Wut der offnen See erproben.
O mögen sie in tiefer Nacht verbleiben, Und ihrer keiner streben je nach oben, Um mit den Winden auf den Sand zu treiben.