German poem
Vive la République!
by Georg Herwegh (1817–1875)
Berg an Berg und Brand an Brand Lodern hier zusammen; Welch ein Glühen! – ha! so stand Ilion einst in Flammen. Ein versinkend Königshaus Raucht vor meinem Blicke, Und ich ruf' ins Land hinaus: Vive la république!
Heil'ge Gluten, reiner Schnee, Golden Freiheitkissen, Abendglanzumstrahlter See, Schluchten, wild zerrissen – Daß im Schweizerlandrevier Sich kein Nacken bücke! Kaiser ist der Bürger hier; Vive la république!
Eine Phalanx stehet fest, Fest und ohne Wanken, Und an euren Alpen meßt Euere Gedanken! Eurer Berge Kette nur Ward euch vom Geschicke; Auf die Kette schrieb Natur: Vive la république!
Blumen um die Schläfe her Steigen eure Höhen, Frisch, wie Venus aus dem Meer, Auf aus euren Seen; Daß aus deinem Jungfernkranz Man kein Röschen knicke, Schweizerin, hüt' ihn wohl beim Tanz! Vive la république!
Auf die Felsen wollte Gott Seine Kirchen bauen; Vor dem Felsen soll dem Spott Seiner Feinde grauen! Zwischen hier und zwischen dort Gibt's nur eine Brücke: Freiheit, o du Felsenwort! Vive la république!