Versos German Georg Heym Die bleiche Leinwand in den vielen Betten

German poem

Die bleiche Leinwand in den vielen Betten

by (1887–1912)

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Die bleiche Leinwand in den vielen Betten Verschwimmt in kahler Wand im Krankensaal. Die Krankheiten alle, dünne Marionetten, Spazieren in den Gängen. Eine Zahl

Hat jeder Kranke. Und mit weißer Kreide Sind seine Qualen sauber aufnotiert. Das Fieber donnert. Ihre Eingeweide Brennen wie Berge. Und ihr Auge stiert

Zur Decke auf, wo ein paar große Spinnen Aus ihrem Bauche lange Fäden ziehn. Sie sitzen auf in ihrem kalten Linnen Und ihrem Schweiß mit hochgezognen Knien.

Sie beißen auf die Nägel ihrer Hand. Die Falten ihrer Stirn, die rötlich glüht, Sind wie ein graugefurchtes Ackerland, Auf dem des Todes großes Frührot blüht.

Sie strecken ihre weißen Arme vor, Vor Kälte zitternd und vor Grauen stumm. Schon wälzt ihr Hirn sich schwarz von Ohr zu Ohr In ungeheurem Wirbel schnell herum.

Dann gähnt in ihrem Rücken schwarz ein Spalt, Und aus der weißgetünchten Mauerwand Streckt sich ein Arm. Um ihre Kehle ballt Sich langsam eine harte Knochenhand.