German poem
Zu lob Herren Carln Marggrafen zu Baden
by Georg Rudolf Weckherlin (1584–1653)
Die allernotwendigste reis, die ein fürst billich soll verrichten ja die reis, deren müh und schweiß einbringet nichts dan gute früchten: Die treflichste reis in der welt, da man einbüßet weder geld noch zeit, die reis, die stets gedeihet, und die reis, deren uns nicht reuet, Ist die reis zu dem vesten schloß, darinnen selbs die tugend wohnet, die alle pilger klein und groß mit, was sie wünschen, gern belohnet.
Anfänglich zwar, dieweil der weg uneben, eng, gäh, ungebahnet, wird man verdrüßig, müd und träg besonders so uns niemand mahnet: Oft auch bethöret der wollust gleich eingangs eines jünglings brust, daß seine reis er nicht vollendet sondern (zwar nicht ohn scham) umwendet. Der aber, so (standhaft und klug) den ersten hügel nur ersteiget, der sihet trosts, lusts und guts gnug, so seine wolfahrt ihm bezeuget.
Dann er bald kommet in das reich, da eine königin regieret, die schön, allmächtig, weis und reich ihn gern mit ihrem orden zieret. Gotsforcht ist sie bei uns genant, all andre tugenden bekant, dadurch die menschen sich erhöhen, die halten all von ihr ihr lehen. Wer nu gehorchet ihrer lehr, der wird bald seiner müh ergetzet mit unvergänglich großer ehr selbs in der götter reich versetzet.
Sie, aller helden höchste zier, hat bei ihr andre fräulein wohnen, und tragen sonderlich noch vier, als königinnen, reiche kronen: Sie heißen Weisheit, Dapferkeit, Gerechtigkeit und Mäßigkeit; ein jede kan dein herz erlaben mit reichtum ehr und lob begaben. Und noch ein andrer Nymfen hauf die an gestalt und geist vollkommen, den königinnen warten auf, und denen, die zu ihnen kommen.
Glaub, Warheit, Treu, Freigebigkeit, die welche nichts jemals verdrießet, Lieb, Demut, Gnad, Beständigkeit, und die, so jederman begrüßet, Und noch vil andre fräulein mehr, fürtreflich schön und deren ehr nicht kan betrügen noch veralten und darum billich hoch zu halten Empfangen freindlich ihre gäst, tractieren, underhalten, lehren, erquicken sie auch auf das best, daß sie nichts weiter zu begehren.
Der lieblichen Alcmenen sohn hat, kühn, erlanget diesen orden, darum er auf der götter thron zu sitzen würdig erkant worden. O daß in disem weiten kreis den jungen herren dise reis vor andern reisen möcht gefallen, dan sie auch nütz vor andern allen; Sie würden mehr freind, ruhm, freud, lob, dan wirt, reu, leid und spot erwerben, und endlich nicht betrogen grob wie sunst gemeine leut absterben.
Nu dise schöne reis hast du, o prinz Karl, schon langst angefangen, bist auch der eitelkeit und ruh numehr mit ehren weit entgangen: Zwar hat der natur milde hand dich mit so götlichem verstand, kunst und fürsichtigkeit gezieret und fort auf dieser reis geführet: So gibt der himmel dir die gnad, daß du, zu seiner freinden frommen, so jung noch auf der tugend pfad den alten sehr weit fürgekommen.
Also dein leben ist dein preis, und dein preis ist wahr und dein eigen: fahr du nu mutig fort und weis noch andern diesen pfad zu zeigen, Wie man nicht soll aus einem saal ein alt und langgemalte zahl der alten helden, frech, entlehnen, sich fälschlich damit zu beschönen: Sondern wie man durch eigne kraft so der vorfahren folgend leben und also der nachkommenschaft zu leben ein exempel geben.
Es fehlet ja derjenig weit und ist auch nicht für klug zu achten, der großer helden werk allzeit nicht nachzufolgen wolt betrachten. Darum fahr fort mit starkem mut zu folgen dem, aus dessen blut du, Karl, glückselig bist entsprossen, fahr fort und sei stets unverdrossen; So wirst du, wie du bist, fürhin lieb sein dem himmel und der erden, ja, glaub mir, daß auch dich wie ihn die götter selbs stets loben werden.