German poem
Gebet eines Irländers
by Georg Weerth (1822–1856)
Gebet eines Irländers.
Sankt Patrick, großer Schutzpatron, Du sitzest auf dem warmen Himmelsthron; O sieh mich an mit freundlichem Sinn, Dieweil ich ein armer Paddy bin.
Sankt Patrick, sieh, die Nacht kommt bald, Von England weht es herüber so kalt. O blicke auf meinen schäbigen Frack Und auf meinen löchrigen Bettelsack.
Sankt Patrick, thu’, was dir gefällt, So groß und so schön ist ja alle Welt; O laß mich werden, was du willt – Nur bleiben nicht solch’ ein Menschenbild.
O laß mich werden ein Blümlein blau, Dann mag ich trinken den kühlen Thau. O laß mich werden ein braunes Reh, Dann kann ich fressen den grünen Klee.
O laß mich werden ein stolzer Bär, Dann geh’ ich im warmen Rock daher. O laß mich werden ein schöner Schwan, Dann wohn’ ich auf Strom und Ocean.
O mach’ aus mir einen Panther wild! Einen Leu! daß hoch meine Mähne schwillt. Einen Tiger! auf daß ich manch reichen Tyrann Mit rasselnden Tatzen zerreißen kann! –
Doch, Patrick, ach! taub bleibt dein Ohr; Der Paddy bleib’ ich wohl nach wie vor. ’s bleibt Alles wie sonst und die Nacht ist kalt, Und der Dan O’Connell wird dick und alt.