Versos German Gerhard Amyntor Der Floh und der Riese

German poem

Der Floh und der Riese

by (1831–1910)

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Auf einem Riesen sass ein Floh, Der wurde nimmer herzlich froh; Wie er auch saugte Zug um Zug, Es war dem Schlingel nie genug. Der Riese hatte dichtes Fell, In das der kleine Springgesell Nicht immer konnte nach Belieben Den leckerhaften Rüssel schieben; Doch wenn's gelang, dann mit Behagen That er in Hast gar wackre Züge Und füllte gierig seinen Magen. Gesättigt hub er an zu lästern: »Mein Wohlgefühl ist frevle Lüge! Was sorg' ich heute mich wie gestern, Zu fristen dieses Daseins Not? Am besten wär' ich nie geboren, Denn all mein Mühen ist verloren; Man quält sich doch nur für den – Tod. Fluch dem unselig blinden Willen, Dem unvernünft’gen Schöpfungsdrang, Der, seine Musse auszufüllen, Mich und den Kerl, drauf ich schmarotze, Gesundem Denken just zum Trotze Zu dieses Lebens Posse zwang! Der Unsinn hat uns nur erschaffen, Und sinnlos vegetiert die Zunft Der Menschen, Vögel, Fische, Affen; Nur ich, der Floh, bin mit Vernunft Begabt und seh' bei ihrem Schein Des Weltprinzipes Irrwahn ein!«

So schmählt er oft. Doch einmal traf Herr Pulex eine gute Stelle Und füllte mit der süssen Welle Des Blutes sich sein Wänstlein brav; Doch als er sich recht toll und voll Gesoffen, wie's ein Floh nicht soll, Da folgte Uebelkeit der Lust, Und an des guten Riesen Brust Hat er sich krampfhaft angeklammert, Sein Irren reuevoll bejammert Und sich mit seinem Intellekt Zur ewigen Ruhe ausgestreckt. Er starb als seines Vaters Sohn An einer – Indigestion.

Der Riese unsre Erde ist; Der Floh darauf – der Pessimist.