German poem
Verlangen
by Gerhard Tersteegen (1697–1769)
Liebster Heiland, nahe dich, Meinen Grund berühre Und aus allem kräftiglich Mich in dich einführe, Daß ich dich Inniglich Mög' in Liebe fassen, Alles andre lassen!
Sammle den zerstreuten Sinn, Treuer Hirt der Seelen! Denn wenn ich in dir nicht bin, Muß mein Geist sich quälen. Kreatur Ängstet nur, Du allein kannst geben Ruhe, Freud' und Leben.
Mache mich von allem frei, Gründlich abgeschieden, Daß ich eingekehret sei Stets in deinem Frieden, Kindlich, rein, Sanft und klein, Dich in Unschuld sehe, In dir leb' und stehe!
Menschenfreund, Immanuel, Dich mit mir vermähle; O du sanfter Liebesquell, Salbe Geist und Seele, Daß mein Will' Sanft und still Ohne Widerstreben Dir sich mag ergeben!
Jedermann hat seine Lust Und sein Zeitvertreiben; Mir sei Eines nur bewußt, Herr, in dir zu bleiben! Alles soll Folgen wohl, Wenn ich mich nur übe In dem Weg der Liebe.
Kreaturen, bleibet fern, Und was sonst kann stören! Jesu, ich will schweigen gern Und dich in mir hören. Schaffe du Wahre Ruh, Wirke nach Gefallen, Ich halt' still in allen!
Was noch flüchtig, sammle du, Was noch stolz ist, beuge, Was verwirret, bring zur Ruh, Was noch hart, erweiche, Daß in mir Nichts hinfür Lebe noch erscheine Als mein Freund alleine!
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