German poem
Auch an die »Ichel«
by Gottfried Keller (1819–1890)
»Ich mach die Seelen selig, ich allein!« Spricht Rom; lang hielt ich diesen Jammerspruch Für das Erbärmlichste, was je ins Buch Der Sünde schrieb das Erdenelend ein.
Da kommet ihr, euch würdig anzureihn, Und sagt: »Ein Ende macht das Leichentuch! Der Jenseitsglaube ist ein dürrer Fluch, Hier laßt uns Hütten baun, hier ist gut sein!«
Auch ich glaub wandellos: Hier ist gut wohnen! Auf! laßt uns sehn, wie wir zurecht uns finden: Die Menschenseele ist zum Glück bestimmt!
Was aber ward aus all den Millionen, Die bleich und siech von hinnen mußten schwinden? – Wie unvernünftig euer Lichtlein glimmt!