German poem
Die Huldgöttinn
by Gustav Schwab (1792–1850)
Die Huldgöttinnen.
Einer Schönen thät ich dienen Und ich forscht’ in ihren Mienen, Ob sie, nickend, mein Gelüste Billigt’, und ich sie eins küßte? Lächelnd schien sie sich zu schämen, Ließ mich doch die Freiheit nehmen, Und sie küssend auf die Lippen, Sprach ich: will noch einmal nippen! Sie gehorcht, zum zweiten regen Mir die Lippen sich entgegen; Doch im zweiten Küßchen bitte Kecklich gar ich um das Dritte. „Nun denn, spricht sie, nimm auch diesen! Aber erst sey dirs verwiesen, Nimm’s nicht übel, solchem frechen Brauch kann ich das Wort nicht sprechen!“
„Licht! Vergib mir meine Schulden, Sprach ich, und zu den drei Hulden Wollest auch die vierte fügen, Sieh, dann laß ich mich begnügen!“
Aber eh ich’s konnte wagen War ich auf den Mund geschlagen. Drei Huldinnen, spricht sie, seyen; – „Goldner, bleib’ auch du bey dreien.“
Aus dem Neugriechischen des Christopulo, von G. Schwab.