German poem
Sage von Schloß Lauterburg
by Gustav Schwab (1792–1850)
„Laß ihn pochen, laß ihn pochen, Liebchen, wer auch draußen ist; Sollst mein Leibgericht ja kochen, Weil du noch allein mir bist!“
Sprach’s der Buhle vor der Küchen Zu der falschen Edelfrau; Aber draußen pochts mit Flüchen Vor dem Schloß im Waldesgau.
An dem Feuer stand die Böse; Macht sie nur die Glut so roth? Der herein will mit Getöse Ist ihr Mann, oder ist der Tod.
Beide nahen der zum Schrecken, Die gebrochen hat die Zucht, Schauer kommen wohl der Kecken; Ja, ihr Mann ist’s, der sie sucht.
Aus dem Wald kommt er gezogen, Abends, auf die kurze Jagd, Nach dem Buhlen hergeflogen, Eh’ die Schande wird vollbracht.
Und sie rührt mit beiden Händen, Gießet Milch und mischet Salz, Zwischen rothen Feuerbränden Prasselt in dem Topf das Schmalz. –
„Weib! wirst du nicht ein mich lassen, Haut mein Schwert entzwei das Thor!“ Und die Falsche muß erblassen, Und der Buhle fährt empor,
Eilt zum Stall nach seinem Pferde, Sich zu retten vor der Wuth; Und es läuft die Frau vom Heerde, Steigt hinab im kranken Muth.
Doch die Welle zürnt im Kessel, Und die Flamme leckt hinein, Und das Feuer bricht die Fessel, Lodert auf in wildem Schein.
Heerd und Küche stehn in Flammen; Eh die Hausfrau drunten ist, Schlägt die Glut um sie zusammen, Gönnt dem Buhlen keine Frist.
Durch die Wände fährt das Feuer, Und der heiße Rachegeist Frißt an Haus und Hof und Scheuer, Bis die letzte Fuge reißt.
Mit dem Jagdspeer und dem Hunde Steht der Ritter vor dem Haus, Und der Brand, der bis zum Grunde Zehret, löscht allmählig aus.
Da entwandelt er dem Haine In der letzten Flamme Schein, Baut sich aus dem Schutt der Steine Eine Hütte, schwarz und klein,
Birgt sich vor dem Licht der Sonne, Fristet kaum des Lebens Last, Jagt im Walde sonder Wonne, Legt sich nieder ohne Rast.