German poem
„Sie haben dich lange verachtet“
by Gustav von Meyern-Hohenberg (1820–1878)
Sie haben dich lange verachtet, Du armes deutsches Land, Dich lange als Beute betrachtet, Als ging’ es mit dir zu Rand;
Sie hielten dich, lächelnd, erkoren Für Kunst nur und Wissenschaft, Ein Volk, zur Arbeit geboren, Doch für den Kampf erschlafft,
Das Volk der Forscher, der Kenner Des grauen Alterthums –: Jetzt zeigst du das Volk der Männer Und alten Waffenruhms,
Das Volk, zum Frieden geschaffen, Doch für den Krieg geschult, Wenn Jene mit deinen Waffen Des Geistes nur gebuhlt;
Jetzt zeigst du, dem Lug’ und Truge Der Ränkeschmiede zum Schreck, Daß auch der Denker, der kluge, Das Herz auf dem rechten Fleck,
Zeigst, wenn von fremden Kronen Die deine beleidigt ward, Ein Volk von Millionen, Das rings in Waffen starrt,
Und, schlägst du in ihrer Blöße Mit Gott sie aus dem Feld, Dann, strahlend in deiner Größe, Gebietest du Frieden der Welt! G. v. Meyern.