German poem
Auf hohem Gerüste
by Hans Bötticher (1883–1934)
Auf hohem Gerüst am Turme Da steht ein Mann allein Und zwingt im tobenden Sturme Mit ehernem Werkzeug den Stein.
Er schwingt den kalten Hammer Und stöhnt dazwischen rauh – Zu Hause in dumpfiger Kammer Liegt eine kranke Frau.
Viel Jahre sind verronnen. Er hat mit Fleiß geschafft Und hat doch nichts gewonnen, Verloren Mut und Kraft.
Auch jetzt im Sturmestoben Er seines Unglücks denkt, Als hoch vom Dach er oben Den Blick zur Erde lenkt.
Ja, springst du jetzt hinunter. Dann bist du sicher tot’ Und liegst du unten zerschmettert, Dann fühlst du nicht mehr die Not.
Wie oft in schwindelnder Höhe Stand so er ganz verzagt, In bitterer Verzweiflung Hat er sich stets gesagt:
Ja, springst du jetzt hinunter, Dann bist du sicher tot, Doch liegst du unten zerschmettert – Hat Weib und Kind kein Brot.