Versos German Hans Bötticher Westindische Nächte

German poem

Westindische Nächte

by (1883–1934)

Listen in the reader

Füll mir den Becher mit jenem purpurnen Weine. Aus der Erinnerung tiefgegrabenen Schächten Fördert er köstliches Gold und Edelsteine Und erzählt von schönen, westindischen Nächten. Schauernd mit herzergreifendem Grausen Hör ich das Meer, den Sturm und des Urwalds Brausen,– Niebeschriebene Töne, Bilder, Gefühle. Heimlicher Liebe paradiesische Schwüle, Schweigendes Dunkel, trauliche Lagerfeuer, Sternengefunkel, trunkene Abenteuer, Sorgloses Lachen, lustige Banchoklänge, Unvergeßliche, seltsame, ernste Gesänge, Wallender Dunkelhaare bläuliches Schimmern, Fremder Stimmen fernes Schreien und Wimmern, Scheidender Schiffe heimwehweckende Grüße, Duftender Blüten heiße berauschende Süße, Krachende Zweige, Mondschein, fliehendes Wild – –

Und dazwischen seh ich ein schmerzliches Bild. Muß ich der schönsten aller Kreolenfrauen Einmal noch in die brechenden Augen schauen. Sehe sie wortlos in meinen Armen sterben. – Oh wie grausam seid ihr himmlischen Mächte! – – Freund verzeih, ich warf wohl den Becher zu Scherben Ach ich dachte wilder, westindischer Nächte.