German poem
Der Waldbruder mit dem Esel
by Hans Sachs (1874–1947)
Vor Jaren wont in einem Wald Ein Waldbruder von Jaren alt Der sich der Wurtzeln neeren thet Derselb ein jungen Sohne het Inn dem Alter bey zweintzig Jarn Der war einfeltig vnerfarn Der fragt den Alten: Sag doch mir Sind in dem Wald gewachsen wir Wann er nie Menschen het gesehen Der Alt thet zu dem Jungen jehen: Mein Sohn, da du noch warest klein Hab ich mich geflöhet hie rein Auß der arglistig bösen Welt Daß sie uns nit schmech, spot vnd schelt weil jr gar niemand recht kann than Sie schlag jm doch ein plechlein an Still schwieg der Son doch tag vnd nacht Des Vatters Red stäts nachgedacht Was doch die Welt nur möcht gesein Zuletzt da wolt er je darein Legt an den Vatter grosse bitt Der es doch lang zeit wider rieth Zuletzt er vberredet ward Vnd macht sich mit jm auff die fart Vnd fürten jren Esel mit Ledig jr keiner darauff ritt In Wald bekam jn ein Kriegßman Der sprach: wie last jr ledig gan Den faulen Esel hie allein Jr dunckt mich fast nicht witzig sein Das ewer keiner auf jm reitt Als sie nun von jm kamen weit Der Vatter sprach: Mein Son sich zu Wie uns die Welt empfangen thu Der Son sprach: Laß mich darauf reitn Das gschah, da kam zu jn von weitn Ein altes Weib neben die Aecker Die sprach: Seht zu dem Jungen lecker Der reitt, und der alt schwache Man Muß hindten nach zu fussen gan Son, sprach der Alt, glaubst du nun mir Was von der Welt ich saget dir Er sprach: laß uns versuchen baß Der Jung bald von dem Esel saß Vnd saß der Alt bald auff für ihn Reit also fuß für fuß dahin.
In dem begegnet jhn ein Pawer Der redt sie an mit worten sawer: Seht an den alten groben Lappen Lest den Jungen im kot her sappen Dem nöter wär zu reitn dann jm Der Alte sprach: Mein Son vernim Das man der Welt nit recht mag thun Der Son sprach: Vatter laß mich nun Auffsitzen, daß wir reiten bed Schaw ob die Welt darzu auch red Aufsaß er vnd ritten dahin Da kam ein Bettelman zu jhn Thet an einr wegscheid auff sie harrn Vnd sprach: secht an die grossen Narrn Wölln den Esel gar ertrücken Der Vatter sprach: Jn allen stücken Thut uns die die Welt mit Hönwort schmitzen Der Son sprach: Laß uns beid absitzen So wölln wir den Esel tragen Was nur die Welk darzu will sagen Absaßen sie, den Esel trugen Vnd mit jm übers Veld hin zugen Daß von jn beiden ran der Schweiß Ein Edelman kam zu der Reiß Thet sie all beid mit worten straffen Wann her, wann her, jr Schlauraffen Das jr das hinter kert herfür Der Vatter sprach: Mein Son hie spür Das an der Welt ist gar verlorn Da sprach der Son in grossem zorn Den Esel wöllen wir erschlagen Denn hat die Welt nit mehr zu klagen Den Esel schlugen sie zu hauffen Da kam ein Jäger zugelauffen Der schrie: O jr großen Phantasten Des Esels gneußet jr am baßten Lebend, tod ist er euch kein nütz Zuhand der Junge ward vrdrütz Der Welt, die jn mit spot und straff So gar an allen orten traf Sprach: Hat die Welt auff einen Tag Vber vns bald so vil der klag Solt wir dann all Tag darinn bleiben Was wunders wurd sie mit uns treiben Vnd keret mit dem Alten dar Inn Wald, darauß er kommen war.