Versos German Hans Sachs Die faule Haußmagd

German poem

Die faule Haußmagd

by (1874–1947)

Listen in the reader

IM Sommer erst vergangen hewr / Kom ich zu einer Abendthewr / In einem Hauß / darinn ich solt Zu Abend zechen / da man wolt / Beuor geben ein jungen Han / Die Fraw der Magd den stecket an / Da wir nun truncken auff zwu Stund / Das Hun nicht fertig werden kundt / Die Fraw geht nauß / schawt in die Kuchn Vnd wider kam mit grossem Puchn / Sprach: Kombt doch herauß alle bayd / Beschawet mein häußliche Maid / Beyd schlichn wir hinauß mit der Frawen / Der stoltzen Köchin zu zuschawen / Da saß die Magd beym Hert vnd schlieff / Vnd schnarchend durch die Nasen pfiff / Gleich wie ein alter Ackergaul / Die Zotten hiengen ihr ins Maul / Sie war im gantzen Gsicht besudlt / In Kleidern bschmutzet vnd zerhudlt / Ihr Händ weiß als der OfenHert / Vnd in der Kuchen an der Erdt / Lag Schüssel / Pfannen vngespült / Als hett ein Saw darinn gewült / Die Scheffel zerlechtzt vnd zerfallen / Die Häfn zerbrochen / Bey dem allen Der Hund auß einer Schüssel fraß / Die Katz auch auff dem Kochhert saß / Den Fleischhafn hett sie vmbkehr gar / Das Fewr auch abgegangen war / Das Hun war noch nicht recht erstarrt / Ob disem Koch ich gleich ernarrt / Die Fraw sprach / Lieber Nachbawr secht / Sollt jhr jr Faulkeit wissen recht / Die sie die vierzehn tag hat trieben / Ein Buch wurd wol von jhr geschrieben / Ihr möcht euch wol darob verwundern / Zu morgens kan mans nicht ermundern / Dann kombt sie in die Stubn geloffn / Der Busen steht jhr oben offen / Ihr Har verwutzelt vnd zerstroblt / Als ob sie hett der Rab gezoblt /

Wil ich dann Wassr ins Gießfaß hon / Muß ichs all morgens selbst drein thon / Die Stuben kehrts / das gröst lests ligen / Das Körich schütts vnder die Stigen / Darnach geht sie nach Wasser auß / Vnd was geschehen ist im Hauß / Das bringts zu Mären also warm / Tregt sie herauff ein Holtz am Arm / So würfft sies / daß sichs Hauß thut rührn / Wann sie dann wil ein Fewer schüren / Laufft sie zum Nachbawrn mit dem Liecht / Den Fewerzeug sie nicht zuricht / Dann legts etwan sechs Scheiter an / Zwey Scheitlein köndtens auch wol thon / Verbrennt das Holtz / eh sie zusetzt / Das Fleisch vngwaschn sie auch letzt / Dann lest sies vngefaumer stehn / Oder zuletzt gar vbergehn / Eins ist verbrennt / das andr vngsaltzen / Das dritt vngsottn / das viert vngschmaltzen Also wird durch jhr täglich kochen / Verwarlost vil verwüst / verbrochen / Wo ich nicht bin hinden vnd forn / So ist jhr Spinnen auch verlohrn / Eins verdreht / das andr verwutzelt / Hanff vnd Flachs sie schantlich verbutzelt / Gantz Schübel Werck sie mir versteckt / Verzwerte Spindel sie verlegt / Mein Gselln offt vngebettet ligen / Kein Arbeit thut jhr angesiegen / Ich muß sie wie ein Esel treiben / Es sey mit Fegen oder Reiben / Nichts nutz ist sie auch mit dem Waschen / Ins Körich schütt sie mir den Aschen / Verdrossen / Aller ding nachlässig / Wie man spricht / Stüttfaul vnd gefrässig Ist sie / das Faist von Suppen nascht / Vnd was Geschleckswercks sie erhascht / Von Wein vnd Bier / es jhr gleich gilt / Ohn was sie mir sonsten abstillt / Doch schleufft sie an die Bubentäntz / Vnd macht den JungenGsellen Cräntz /

Ist doch der aller gröst vnlust / Der allerschandtlichst Suppenwust / Wann wir sitzen vnd sollen Tischen / So thut sie nach den Flöhen fischen / Sie schmeist mir in Häfen vnd Scherben / Vor Vnzifer möcht sie verderben / Yedoch die Zeit wir nie vermochten / Das sie jhr zwagen hett vnd flochten / Ihr Hembd / Goller / ist wie die Erdt / Sie ist in Summa gar nichts werth / Dann nur zum Fressen vnd zum schlaffen / Ich sprach / ich wolt die Lümpin straffen / Sie sprach / ja wenn ich mit jhr schrey / Gibt sie mir für ein Wort wol drey / Ich sprach / so thut den Schleppsack nauß / Was soll der Schawer in dem Hauß / Weil sie kein Straff auffnemmen wil / Endlicher Mägd findt jhr noch vil / Die euch zu rechter zeit auffstohn / Vnd jhr Haußarbeit embsig thon / Nach Art / wie jedes thut gebührn / Holtz / Wasser tragen / Fewer schüren / Waschen / Spinnen / Spüln vnd Kochn / Zu rechter zeit auß die gantz Wochen / Mit fleiß auffrichtig / recht vnd redlich / Vnd euch auch sunst trew vnd vnschädlich / In alln Sachn suchen ewern Nutz / Mit einer solchen gschicht euch guts. Sie sprach: Der JahrRitt soll der waltn / Ich will sie auch nit längr behaltn / Dann Morgen ist S. Jacobs tag / So hat sie gleich nach jhrer Sag / Seyt Liechtmeß vierzehen Dienst gehabt / Der Ritt hat mich mit jhr begabt. Der Schwenck hub ich laut an vnd lacht / In dem die faul Haußmagd erwacht / Auffgienet weit / vnd sah vns on / Da dacht ich in meim Hertzen schon / Wo Haut vnd Haar ist gar entwicht / Da wird kein guter Beltz auß nicht / Wer mit einr solchn Magd ist geschlagn / Der weiß von groß Vnglück zu sagn.

Augspurg / bey Cunrad Roleder Brieffmaler / den Laden auff Barfusser Bruck.