Versos German Hans Sachs Zwaier philosophi disputacio, ob peser heyraten sey oder ledig zw pleiben ainem weissen mann

German poem

Zwaier philosophi disputacio, ob peser heyraten sey oder ledig zw pleiben ainem weissen mann

by (1874–1947)

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Minister der discipl get ein, naigt sich vnd spricht: NUn schweiget still vnd habet rw Vnd hort zway philosophen zw, Wie sie da werden disputiren, Mit scharpffen worten arguiren. Solch historj ist kain gedicht, Sunder ain warhaftig geschicht, Wie solichs nach wort vnde dat Plutarchus auch peschrieben hat. Solon der thuet den estant preisen, Dargegen thuet Thales peweisen, Das aim gelerten manne sey Vil pesser gancz ledig vnd frey, Ser fuerderlich zv dem studirn, Vnd thuet das durch vil weg probirn. Jdoch sie paid nichs entlichs schliessen, Sunder ain andern tag erkiessen, Von der materj mer zv reden, Da wert von andern vnd in peden [Bl. 269’] Aus ir aller experiencz Von in ausgsprochen der sentencz. Der disippel get ab.

Thales, der weis, get ein, tregt ein sphera celi, seczt sich vnd spricht: Ich wil hie sehen lawter clar, Ob dieses zwkunftige jar Werd gluecklich vnd auch fruchtpar werden Von allerley fruechten auf erden, Der vor aim jar ist vil zerunen; Ob auch ein finsternus der sunen Kumb dieses jar, das alle frist Vnfruchtparkait an zaigen ist, Der glaich ander vnglueck im lant. Solch kunst sint mir all wol pekant, Die ich in Egipten vor jarn Pey den gelerten hab erfarn.

Minister der disippl kumpt, naigt sich vnd spricht: Philosophe vnd herre mein, Es pegeret zw dir herein Ein herlich man an hinternus, Peclaid wie ein philosophus, Der wil ein gsprech halten mit dir.

Thales, der weis: Ja, ge, las in herein zw mir. Wer ist er? Sag, kenstw in nicht?

Minister spricht: Nain; mich trieg aber mein gesicht, So ist er ain hochweisser mon.

Thales, der weis: Nun so las in hereine gen. Die weil er ist an jaren alt [Bl. 270] Vnd ainer erber gueten gstalt, So wollen wir zwischen vns peden Von der philosophia reden. Minister get ab.

Thales spricht zw im selb: Wer man nur dieser weis man sein,

Welcher pegert zv mir herein? Es felt mir gleich ein, wie wen der Solon, der philosophus, wer, Von dem man sagt, er hab vurwar Vrlob gnumen auf etlich jar Zw Athen von aim rat auf trawen, Das er die lender mueg peschawen Vnd haimsuechen die weissen mender Herumb durch alle morgenlender. Ich glaub fuerwar, das ers werd sein, Es antet gwis das herze mein; Ich wil in herczen geren sehen. Ich hor im groses lobe jehen, Wie er der stat Athen zv lecz Peschrieben hab ser guete gsecz, Sunst auch vil guettes hab gethon. Da kumpt geleich der dewer mon.

Solon get ein; Thales get im entgegen, pewt im die hant. Solon spricht: Thales, dw aller weister mon, Von herzen ich pegerte hon, Zw sehen dich vur alle ander Philosophi gar mit einander, Weil die von dem got Apolo Als dem weisesten man also [Bl. 270’] Zw gschicket ist der guelden disch. Der halben ist gancz himelisch Dein weisheit, weil dw hast gancz clar Austailt in zwolff monat das jar, In zwo vnd funfzig wochen gsundert, Welche doch halten gleich drey hundert Vnd darzw funff vnd sechzig tag. Pey der vnd ander kunst man mag Spueren dein weisheit vberfluessig. Ich pit, wolst nit sein vbertruessig, Das ich haimsuech die weisheit dein.

Thales, der weis, spricht: Dein zwkunft die erfrewet mein

Hercz hoch vnd trefflich vberaus, Das dw mich selb suechest zv haus, Mein auserwelt vnd lieber gast, Wie wol dw schlechte herberg hast; Wan ich leb in meim haus gar schlecht Allain mit dem ainigen knecht Vnd geleb gar geringer speis. Derhalb pit ich mit hochstem fleis, Mein Solon, wolst haben verguet.

Solon, der weis: Mein Thales, sag mir doch in guet, Hastw den kain weib zw der e? Oder ist dir in kranckheit we Kuerczlich dein gmahel gangen ab?

Thales, der weis: Mein lieber Solon, wis, ich hab Mein lebenlang kein weib nie ghabt, Weil mich die natur hat pegabt, Kain pegier zw den frawen geben.

Solon: spricht: Ey, wie fuerst so ain elent leben! We dem, der also ainsam ist, Auf im selb siczet alle frist. [Bl. 271] Ein weib der eren tregt ein kron, Die thuet erfrewen iren mon; Mit holtseligem schimpf vnd schercz Erquicket sie sein trawrig hercz, Ist sein gehuelff an allen orten, Mit senften vnd drostlichen worten Drost sie in ein aller anfechtung, In angst, verfolgung vnd durchechtung Stet sie im pey in aller not. Dein leben ist ain halber dot, Die weil dw lebest an ain weib.

Thales, der weis: Mein Solon, wis, das ich vertreib Die maist zeit mit philosophirn, Auch mit dem ainflus der gestirn Vnd ausmessung dem ertereich, Vnd ander kunsten der geleich; An solchem wurd das weib mich irrn, Zerstoren mein imaginirn, Weil Plato sagt: ein weib all frist Ein vnruiges uebel ist, Ist albeg klagpar vnd geschweczig, Arglistig, mistrew vnd auf seczig, Eyferig, selczam, wanckelmuetig, Auch zenckisch, zornig vnd gancz wuetig, Wen man nach irem sin nit thuet. Drumb hat mich angsehen fuer guet, Mich an ein efrawen zw pleiben, Mein zeit in rw hie zw vertreiben, Weil ich ir wol geraten kon.

Solon, der weis: O mein Thales, ein frumer mon Kan im ain frumes weib wol zihen. Drumb sint die weiber nit zv fliehen; [Bl. 271’] Manch frumes piderweib man fint.

Thales, der weis: Der posen doch am maisten sint. Darumb ziech weiber, wer da wol.

Solon, der weis: Ein weis man ain weib haben sol Von wegen des kinder gepern, Darfon die gschlecht erhalten wern; Auch die eltern erlangen ob Iren kinden er, preis vnd lob. Weil dw aber an weib vnd kinder Lebst, so wirt deines lobs auch minder; Wan was dein weisheit lobs erwirbt, Mit deinem dot es als abstirbt, Weil dw kain sun hast von deim stamen, Der nach dir erlewcht deinen namen. Hest abr ein weib, geperst mit ir Ein sun, in weisheit enlich dir, Der dein pildnus hie trueg auf erden, Durch den mocht dein gedechtnus werden Langwirdig, ruechtpar vnd ganz loblich.

Thales, der weis: Solon, in diesem felstw groblich, Weil kinder selten wolgeraten, Sunder mit laster vnd vndaten Ziehen sie oft zv schant vnd spot Den eltern truebsal, angst vnd not, Das sie sich ir den muesen schemen.

Solon, der weis: Aus dein worten thw ich vernemen, Dw waist von kainer kinder zuecht. Mainst nicht, es zihen ire fruecht Die eltern auf thuegent vnd er?

Thales, der weis: O, sie sind darin saumig ser, Weil sie oft selb vnzogen sind. [Bl. 272]

Solon, der weis: Die eltern zihen ire kind Durch naturlich einpflanzte lieb, Die sie zewcht mit aim starcken trieb. Von kinder lieb waist nit zv sagen, Die weil vnd dw pey all dein dagen Hast gehabt weder weib noch kind, Die so lieb vnd so angnem sind, Ein gewurzelt der eltern muet Vber all er vnd zeitlich guet, Das solch lieb nit ist auszwsprechen.

Thales, der weis, spricht: Mein Solon, darpey kan ich rechen, Das aus solcher lieb zv den kinden Die elteren oft gar erplinden, Den kinden alln mutwillen lassen, In als verhengen solcher massen, Das sie den iren jamer sehen, Wie ich den vormals auch hab jehen, Weil sis an alle straff aufzihen. Des thw ich weib vnd kinder flihen, Der kinder lieb mich nit anficht.

Solon, der weis: Mein Thales, so hastw auch nicht Von kinden frewd vnd irem schercz, Welches erfrewt der eltern hercz Ob allem schercz vnd frewden spiel.

Thales, der weis: Ir frewd ich geren ghraten wil, Weil sie ist kindisch vnd vergencklich. Dargegen gros vnd vberschwencklich Ist vnrwe vnd mueseligkeit, [Bl. 272’] Sorg, angst pey kinden alle zeit Sambt groser gfar, die in zw stet, Das gar selten ain tag verget, Der nit schrecken vnd angst gepirt. Aus dem gar leicht ermessen wirt, Das laid die freud weit vberwiget. Mein hochste frewd mir aber lieget An kunsten vnd an der weisheit, Welcher ich pas zv aller zeit Aus warten kan an dieser stet, Den so ich weib vnd kinder het, Welche mich nur hinterten tron.

Solon, der weis: Wen idermon also wolt ton, Wie dw, so zerging menschlich gschlecht.

Thales, der weis: Ja, mein Solon, dw sagest recht; Ir sint sunst gnueg, so die welt meren, Henck ich an gueter kunst vnd leren Vnd ge gleich musig weib vnd kind, Die doch gros herczlaid pringen sind, Mainstw nicht, dein sun mit der zeit Wert dir noch pringen herzenleit, Des dw mainst haben freud vnd er?

Solon, der weis: O, mein Thales, gar nimer mer, Die weil mein sun ist pluender jugent, Ein spiegel vol weisheit vnd thuegent, Wie kund der pelaidigen mich?

Thales spricht: Ich wil noch daran monen dich, E den vergent zwen ganczer tag, Das ich dir hie die warheit sag.

Der minister kumbt, spricht: Ir herrn, es ist hoch mitags zeit. [Bl. 273] Kumbt rein, das essen ist pereit. Sie gent alle aus.

Minister get wider ein vnd ret mit im selb: Dieses sint zwen die weisten mender, So icz durch alle morgenlender Haben den aller hochsten rumb, Sint doch nit aines sins darumb. Wil ich gern horn in irem krieg, Welcher noch phalten wirt den sieg.

Thales, der weis, kumpt, dregt mantel, huet, pulgen vnd stab, spricht: Minister, so nem den walstab, Die puelgen, huet vnd mantel grab, Thw den zv vns paiden eingen, Sag vns, dw kumest von Athen, Pring mir den prieff vnd sag darpey, Wie ain jungling gestorben sey, Sam sey er gwest Solonis sun. Wirst im wol wissen recht zv thun Mit allen listigen vmb stenden, Wirst vnerkant die sach volenden.

Minister nempt die ruestung, spricht: Ja, herr, ich wil mich legen on, Gleich eim walprueder einher gon Vnd dein furschlag in allen dingen Gancz vnerkant zv ende pringen. Der minister get ab.

Thales, der weis, spricht: Mus schawen, ob ich Solonem Durch list kunt obliegen in dem, So ich in mocht ob seinem sun Cleglich kunt machen trawren thun, Darmit ich all sein argument Gewalticlich vmbstosen kent, [Bl. 273’] Das pesser wer leben on e, Weil darfon kem gros angst vnd we.

Solon, der weis, get ein, spricht: O Thales, ich hab in deim haus Pesichtigt alle gmach durchaus, Hab auch peschawt dein lieberey Vnd dacht, wie imer schad es sey, Das dw nit haben solt ain sun, Der deinen schacz sol erben thun, Edler den golt vnd edel gstein, Der nun kumpt von dem stamen dein Etwan eim fremden in sein hant, Dir vormals genczlich vnpekant.

Thales, der weis: Das stet als in der gotter hent, Wem sie nach meines lebens ent Solichen schacz dun vbergeben. Weil ich in nur hab in dem leben, So frag ich gar nit mer darnach, Wer in nach meinem dot entpfach.

Minister get ein wie ein walprueder, pringt den prieff, spricht: Wont Thales, der weis, in dem haws?

Thales, der weis, spricht: Ja, was hast im zv richten aus?

Der waltprueder: Eillent ich her von Athen lieff Vnd pring dir, herr, diesen sentprieff, Den dir sendet Chilon, der weis, Entpewt dir auch sein grues mit fleis.

Thales nempt den prieff, pricht in auf, list in haimlich.

Solon spricht: Waltprueder, sag, wen thest ausgen Aus der kriechischen stat Athen?

Der waltprueder spricht: [Bl. 274] Es ist gleich heut der achte tag.

Solon, der weis: Was ist icz zv Athen die sag? Hat die stat iczund gueten fried?

Der waltprueder: Ja, hort am tag, als ich abschied, Da war ein jungeling vertorben, An ainer gechen kranckheit gstorben, Als man die leich gen kirchen trueg, Schueler vnd priester vorher zueg In ainer procesion schon Man hort auch aller glocken thon. Nach der par ging der gancz senat Vnd fast all purger in der stat, Das ich hab gehort all mein tag Ob kaim doten kain groser clag: Es waint vmb in frawen vnd mon.

Solon, der weis, spricht: Dw mein waltpruder, sag mir on, Kanst mir nit ansagen gewis, Wie dieses junglings vater hies, Ob ich mocht seinen namen kennen.

Der waltprueder: Ich hab in zwar wol horen nennen, Ist mir seit her gefallen ab. Wol ich vom volck gehoret hab, Sein vater sey ein weiser mon, Hab der stat ser vil guetes thon Mit gueter ler vnd weisem rat; Darumb Athen, die gancze stat, Thuet im ser groses lob nach sagen; Hort auch, wie er in jar vnd tagen Nie zv Athen gewessen sey.

Solon, der weis, spricht: [Bl. 274’] Mein waltprueder, sag mir darpey, Wen dw denselben mon horst nennen, Mainst, dw kunst seinen namen kennen?

Waltprueder spricht: Ja, wen man mich monet daron.

Solon, der weis spricht: Sag, nent man sein vater Solon?

Der waltprueder: Ja warlich, er haist gleich also!

Solon schlecht sein hent ob dem kopff zvsam, waint vnd schreit: O zetter! waffen! mordio! Ist mein herczlieber sun verschieden Vnd hat den grimen dot erlieden! Mit im ist all mein drost da hin, Der elentst man auf erd ich pin. O, ir gotter, was zeicht ir mich, Das ir mich plagt so piterlich? Nun vertrewst mich auf ert meins lebens.

Thales, der weis: Hor auf, dein clag ist doch vergebens; Clag pringt nit wider seinen gaist.

Solon spricht: Derhalb clag ich auch aller maist, Das vergebens ist all mein clag.

Thales spricht: Mainstw doch an dem fordern tag, Dw mochst durch deinen sun auf erden In kaim weg mer petruebet werden. Meinst nicht, dein iezig trawrikeit Vbertreff die freud allerzeit, Die dw ie hest mit deinem sun?

Solon, der weis: Ja, das mus ich pekennen thun. [Bl. 275]

Thales, der weis, spricht: Mein Solon, iczund glawbstw mir, Das nuezer wer gewessen dir, Dw werst nie kumen in die ee, So hest icz nit so herczlich we Vnd derfst auch nit trawren darumb!?

Solon, der weis: Dw sagst war. O, mein sun war frumb, Solt er mich den nit herczlich dawren?

Thales, der weis: Mein Solon, was thustw den trauren, Weil er war frumb in seinem leben, Mit weisheit vnd tuegent vmbgeben? Nun wont er an der gotter schar. Wie wurstw sein so trawrig gar? Wen dw hest ain poshaften sun, Der auf erd nie kain guet het thun, Des dw dich must dein lebtag schemen, Vmb in haimlich fressen vnd gremen, Auch nach seim dot sein arme sel Zumb dewffel fur hinab die hel, Der sun wer zw petrauren schwerlicher.

Solon, der weis: O ja, das selb wer noch geferlicher. O mein Thales, wie sol ich thun? Ich hab verloren meinen sun, Auf dem mein drost vnd hoffnung ston.

Thales, der weis: Mein auserwelter freunt Solon, Las ab dein clag; auf diese stund Lebt dein sun, ist frisch vnd gesund. Ich hab dis spil dir zv gericht, Das dw mir kundest laugnen nicht, Was angst, vnrue, vnfal vnd sorgen Sey in dem eling stant verporgen. [Bl. 275’] Kein stete rue nimer drin wirt, Ein crewcz stet das ander gepirt Icz an dem weib, den an den kinden, Wie dw icz aines thest entpfinden, Welchs creucz im eling stant peclebt. Die weil man hie auf erden lebt, Ist vil mer laids den freud darin. Des ich alles entladen pin, Weil ich hab weder kind noch weib, Sunder allain mein aigen leib, Den ich von anfang meiner jugent Hab gwent auf weisheit, sittn vnd dugent. Darin ich geruecklichen leb Vnd allen lastern wider streb. Solich lobliche duegent schon Das sint mein dochter vnd mein sun Sambt meinen puechern, die nit sterben; Darmit so kan ich mir erwerben Ein vndotlichen rumb vnd er. Jdoch so wol wir morgen mer Von dieser materia reden Vnd nit allain zwischen vns peden, Sunder ich wil aus gunst vnd gnaden Mer philosophy zv vns laden Vnd die lasen darin entschaiden, Wer noch recht hab vnter vns paiden. Icz wollen wir nein auf den sal Mit freuden nemen das nachtmal. Sie gent alle ab.

Der minister kumpt vnd peschlewst: Ir herrn, kumbt morgen wider her, Hort, wie man den sentenz erqler; Wan ich hab aigentlich vernumen, [Bl. 276] Es wern mer philosophi kumen, Verhoren die zwen weissen mon In irer disputacion Vnd ein entlich vrtail peschliesen. Welcher der paider wirt verliesen, Zw straff wirt gebn ain aimer wein. Pey dem da woll wir frolich sein, Das freud im eling stant erwachs, Das wunschet vns allen Hans Sachs.