German poem
Das deutsche Mädchen
by Heinrich Albert (1604–1651)
Ihr, mit Rosen auf den Wangen, Und die Haare goldgeschmückt! Euer wunderstolzes Prangen, Das nur Thoren hochentzückt, Wert ist’s meines Lobes nicht, Wenn euch teutscher Sinn gebricht. Hat die Göttin auch des Glückes Fürstengüter euch beschert, So, dass demutvollen Blickes Alt und Jung Verehrung schwört – Wenn euch teutscher Sinn gebricht, Acht’ ich aller Schätze nicht.
Eure höflichen Geberden, Eure schöne Redekunst, Ob sie laut gepriesen werden, Sind nur Spiel und eitel Dunst, Und besteh’n, ihr Jungfrau’n, nicht, Wenn euch teutscher Sinn gebricht.
Käm’t auch edeln Stammes wegen Ihr den Königinnen gleich, Dennoch wahrhaft überlegen Bleibt ein teutsches Mädchen euch. Hoher Stand beliebt uns nicht, Wo der teutsche Sinn gebricht.