German poem
Gegenliebe
by Heinrich Christian Boie (1744–1806)
Wenn ich wüßte daß du mich Lieb und werth ein bischen hieltest Und von dem, was ich für dich, Nur ein Hunderttheilchen fühltest;
Wenn dein Danken meinem Gruß Halbes Wegs entgegen käme, Wenn dein Mund den Wechselkuss Gerne gäb' und wiedernähme;
Himmel, Himmel! außer sich Würde ganz mein Herz zerlodern! Leib und Leben könnt' ich dich Nicht vergebens laßen fodern! –
Gegengunst erhöhet Gunst, Liebe nähret Gegenliebe, Und entflammt zu Feuersbrunst, Was ein Aschenfünkchen bliebe.