German poem
Das Grubenpferd
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Ein edles Roß, zu wild und ungeberdig Vor’m Tilbury des Direktors, ward deshalb Zum Grubenpferde degradiert und mußte Die Kohlenwagen zieh’n im Kohlenschacht. – Das edle Tier, an Licht und Luft gewöhnt Vom Sonnentag, verkümmerte – sein Fell, Sonst weich und glatt, ward zottelig, und wund Ihm Kopf und Rücken vom Gestein der Decke, Zu niedrig für seinen hohen Wuchs. – Es mußte ziehen und es zog – die Geißel Des Treibers brach den Trotz ihm – aber mehr Das Dunkel und die Moderluft des Schachtes. – Ein Jammerdasein war’s dem edlen Roß. – Die Schläge fielen hageldicht, so bald Der Wagenpark nicht schnell genug vom Schacht Zum Schachte flog – ob schuldig oder nicht, Des Treibers Zorn zerfleischte ihm den Rücken. – Da – wieder traf sein armer Kopf der Schlag Von roher Faust, wie’s ihm so oft geschah – Zerriß die Stränge es und stürmte fort, Durch’s Streckendunkel, sonder Halt und Ziel. – War’s Wut, Verzweiflung, Freiheitsdrang, wer kündet’s – Doch seiner Qualen Ende war’s – man fand es, Den Kopf zerschellt, in einem Wassertümpel. –
Ein Pferd nur, bah, ein Grubenpferd, und darum So viele Worte – hör’ ich Leser sprechen. – Ja, nur ein Pferd – ihr habt mich nicht verstanden. –