German poem
Allgemeines Deutsches Kommersbuch:71
by Heinrich Seidel (1842–1906)
2. Feiern wollen wir die Stunden unsrer frohen Burschenzeit; denn das Herz wird nur gesunden, wo es sich der Freundschaft weiht! Offen liegen alle Herzen, wo der Becher traulich blinkt, und verhüllt entfliehn die Schmerzen, wo uns Lieb und Treue winkt.
3. Wenn die Feinde uns umringen, reichen wir die mutge Hand, und des Kerkers Riegel springen vor dem treuen Bruderband. Wo sich Brüder froh umarmen, flieht der Haß, der blasse Neid; nur die Freundschaft mag erwarmen in dem Schoß der Fröhlichkeit.
4. Zwar der Trennung bange Stunde winkt uns oft nur allzu= früh, reißt uns aus dem schönsten Bunde, der uns manchen Freund verlieh! doch verscheuchet den Gedanken, jetzt, da ihr noch Burschen seid! Nie wird unsere Freundschaft wanken, dauert unsre Biederkeit.
5. Finden wir uns einstens wieder in der Heimat goldnem Land, preisen unsre Jubellieder noch das — — — — Band, feiern wir das Angedenken an die flotte Burschenzeit, bis sich unsre Blicke senken in das Meer der Ewigkeit.
1. Brüder, zu den festlichen Gelagen hat ein guter Gott uns hier vereint; allen Sorgen laßt uns jetzt entsagen, trinken mit dem Freund, der’s redlich meint! |: Da, wo Nektar glüht, valleralla! holde Lust ent= blüht, — valleralla! wie den Blumen, wenn der Frühling scheint. :|
2. Laßt uns froh die goldne Zeit durchschwärmen, hangen an des Freundes treuer Brust; an dem Freunde wollen wir uns wärmen, in dem Weine kühlen unsre Lust! In der Traube Blut, — valleralla! trinkt man deutschen Mut, — valleralla! wird der Mann sich hoher Kraft bewußt.
3. Nippet nicht, wenn Bacchus Quelle fließet, ängstlich an des vollen Bechers Rand; wer das Leben tropfenweis genießet, hat des Lebens Deutung nicht erkannt. Nehmt ihn frisch zum Mund, valle= ralla! leert ihn bis zum Grund, valleralla! den ein Gott vom Himmel uns gesandt!
4. Auf des Geistes lichtgewohnten Schwingen stürzt der Jüngling mutig in die Welt; wackre Freunde will er sich erringen, die er fest und immer fester hält. Bleibt die Meinen all bis zum Welteinfall, treu dem Freund auf ewig zugesellt!
5. Lasset nicht die Jugendkraft verrauchen, in dem Becher winkt der goldne Stern! Honig laßt uns von den Lippen saugen, Lieben ist des Lebens süßer Kern! — Ist die Kraft versaust, ist der Wein ver= braust, folgen, alter Charon, wir dir gern!
1. Das ist für uns ein Tag der Freude, an dem dereinst der feste Grund errichtet ward zu dem Gebäude, daraus emporwuchs unser Bund. Drum laßt die Lieder voll ertönen und ruft es trotz der Feinde Neid: Ein ewig Blühn dem Reich des Schönen, dem unser Streben wir geweiht!
2. Wenn vor des Lebens Sturmgewalten das Ideal kein Obdach fand: wir haben treu dran festgehalten, und nimmer uns der Mut ent= schwand. Wir schirmten stets, so eng verbündet, des Lebens höchstes, schönstes Gut: das Feuer, das in uns entzündet, giebt uns den rechten Lebensmut.
3. Und wie wir hier in schönem Bunde noch festvereint zusammen= stehn, wer weiß, wie bald schon naht die Stunde, da wir uns nimmer wiedersehn. Doch folgt uns eins, das ist die Treue, wohl übers ganze Erdenrund; stoßt an und ruft es stets aufs neue: Ein ewig Blühen unserm Bund!
1. Dem Ingenieur ist nichts zu schwere, er lacht und spricht: „Wenn dieses nicht, so geht doch das!“ Er überbrückt die Flüsse und die Meere, die Berge unverfroren zu durchbohren ist ihm Spaß. Er türmt die Bögen in die Luft, er wühlt als Maulwurf in der Gruft, kein Hindernis ist ihm zu groß, er geht drauf los!
2. Den Riesen macht er sich zum Knechte, des wilder Mut, durch Feuersglut aus Wasserflut befreit, zum Segen wird dem menschlichen Geschlechte — und ruhlos schafft mit Riesenkraft am Werk der neuen Zeit. Er fängt den Blitz und schickt ihn fort mit schnellem Wort von Ort zu Ort, von Pol zu Pol im Augenblick am Eisenstrick!
3. Was heut sich regt mit hunderttausend Rädern, in Lüften schwebt, in Grüften gräbt und stampft und dampft und glüht, was sich bewegt mit Riemen und mit Federn, und Lasten hebt, ohn Rasten webt und locht und pocht und sprüht, was durch die Länder donnernd saust und durch die fernen Meere braust, das alles schafft und noch viel mehr der Ingenieur!
4. Die Ingenieure sollen leben! In ihnen kreist der wahre Geist der allerneusten Zeit! Dem Fortschritt ist ihr Herz ergeben, dem Frieden ist hienieden ihre Kraft und Zeit geweiht! Der Arbeit Segen fort und fort ihn breitet aus von Ort zu Ort, von Land zu Land, von Meer zu Meer — der Ingenieur.