German poem
Diser wonderbarlich schön Waytz ist gewachsen inn der Grafschafft Flandern
by Heinrich Vogtherr der Ältere (1490–1556)
Hie auff Erden man teglich sicht / Vil wunderzaychen unnd geschicht. Darauß wir sollen nemen war / Wie Gott der Herr so wunderbar. Sein Herligkayt unnd krafft beweyßt / Darumb er billich wirdt gepreyßt. Des sollen wir all nemen war / Unnd uns zu im bekeren gar. So wirdt er sich zu uns auch kern / Unnd uns an Leyb und Seel ernern. Das er thun will und auch wol kan / Deß wir hie ain Exempel han. Als ich euch kürtzlich hie bericht / Inn der nachfolgenden geschicht. Die warhafftig geschehen ist / Nach der geburt Christi das wißt. Als man zalt fünffzehn hundert jar / Syben und viertzig nemet war. Inn der Grafschafft Flandern genendt / On gefarlich drey meyl von Gendt. Inn ainem Dorff ain Bawer saß / Der wol mit Korn versehen was. Zu dem kamen vil Armer Leyt / Den halff er trewlich alle zeyt. Mit Korn leyhen fru unnd spet / Sovil er im vermügen het. Welches im Gott Reychlich bezalt / Unnd hundertfeltig hie vergalt. Nach der zusag Christi fürwar / Das mercket alle offenbar. Diser Bawer ain Acker het / Darauff er guten Waitzen seet. Der wuchs auff zu der Erndtzeyt / Uberflüssig on widerstreyt. Dann etlich Eher wurden gar / Dick / auff ainander das ist war. Auch fand man mancherlay geschlecht / Der Eher / als ir hie ains secht. Das auff aim Halm wuchsen her / Inn vier / acht / zwelff / fünffzehen Eher. Die man dann noch bey handen hat / Gott verleyht unns sein genadt. Das wir bekennen unser sündt / Dann ye ain yeder Mensch empfindt. Der gnaden die uns Gott erzaygt / Und uns zu helffen ist genaygt. Zeytlich und Ewig wie man sicht / Das lassent unns verachten nicht. Und seiner wunder nemen war / Der man vil sicht gantz offenbar. Am Hymel / Sternen / Sonn und Mon / Darzu auff Erden wir auch hon. Straff und warnung auß Gottes wort / Noch faren wir inn sünden fort. Und dencken nit an Christi sag / Da er uns Lert vom Jüngsten tag. Der aigentlich vor handen ist / Unnd kummen wirdt inn Kurtzer frist. Da Christus sein gericht wirdt han / Vor dem wir alle müssen stan / Da aim yeden vergolten wirdt / Wie er sein Leben hat gefürt. Alhie auff Erd inn diser zeyt / Drumb bittendt Gott inn Ewigkayt. Das unns sein Hayliger Gayst regier / Unnd ins ewig Vatterland für. AMEN.
Dise Figur ist etlichen Fürsten und Stenden deß Reychs über schickt worden.
Getruckt zu Augspurg durch Hans Hofer.