German poem
Einsamkeit
by Hermann Lingg (1820–1905)
Leuchtend um Berg und Thal gelegt Schimmert der Mittagssonnenschein, Ruhig blick’ ich und tiefbewegt In die schlummernde Welt hinein, Alles ist still in Flur und Hain, Ich bin allein.
Alles, was mich hier umgiebt, Hat so selige Friedensmacht Wie ein Herz, das innig liebt. Hat auch Eines an mich gedacht?
Wär’ ich einsam hier mit Dir, Das erst wäre vollkomm’nes Glück! Aus den Blumen und Felsen hier Fänden wir nimmer den Weg zurück!
Wie sich Fern an Ferne dehnt Bis in den blauen Himmel hinein! Ach, und was mein Herz ersehnt, Wird es niemals wieder mein? Träume, wie wiegt ihr mich ein! – Ich bin allein.