German poem
Dezember
by Hermann Löns (1866–1914)
Weißer Reif an allen Zweigen, Schwarze Krähen in der Luft – Priesterworte – Häupter neigen Weinend sich auf eine Gruft.
Hoch mein Haupt, kalt die Gebärde, Angst und Trauer – keine Spur: Aus der Erde – in die Erde: Alte Mode der Natur.
Priesterworte: »Demut, Liebe, Himmelswonne nach dem Tod!« – Wahrheit: wilde Liebestriebe, Neid und Haß und Kampf um Brot!
Weiterwandern, Schluchzen, Klagen Klingt verhallend übers Brach. Hundert schwarze Krähen jagen Einem kranken Hasen nach.
Todesangstschrei. Fortzutreiben Seine Peiniger – Verkehrt! Immer wird das Opfer bleiben, Wer sich seiner Haut nicht wehrt.
Ich auch habe keine Freunde, Auch nach mir hackt mancher Schlag, Nicht die Liebe – meine Feinde Halten meine Tatkraft wach.
Doch ist Mut in meinen Armen, Geist und Wille riesengleich – Platz! – und hofft auf kein Erbarmen, Weg frei! sonst zertret' ich euch.