German poem
Sie
by Hermann Löns (1866–1914)
Du hast dein Lieben mir erzählt In unsrer letzten Nacht – Nun höre, wie mir das Herz berauscht Und wer es krank gemacht:
»Der erste war ein Handwerksmann An Wort und Händen rauh, Er bat mit plumpen Worten mich Zu werden seine Frau.
Ich wollt' ihn nicht – ein andrer kam Mit Händen weiß und schön. Mit süßem Wort – mein junges Herz Konnt' ihm nicht widerstehn.
Sechs heiße Monate und dann – Dann ward er meiner müd' ... Mein Vater warf mich aus dem Haus – Es ist das alte Lied.
– Rauh war sein Wort und rauh seine Hand, Treu hat er es gemeint; Als er mein trauriges Los erfuhr, Hat er um mich geweint. –
Nun laß die Falten von der Stirn Und komm in meinen Arm, Damit dein kaltes Herz nicht friert – Mein Bett ist weich und warm.«