German poem
Die Königin und der Wald
by Hugo von Blomberg (1820–1871)
„O Wald, mein Wald, wie lieb’ ich Dein Grün! Weit mehr als den Königssaal! Ich liebe nichts so sehr, als ihn Und Dich, mein Eh’gemahl.
O, legt mir nun der Tod auf’s Herz Die Hand so knöchern und kalt, Schließt mich nicht ein in Stein und Erz, Begrabt mich im grünen Wald.
Wenn die Mönche singen, die Glocken geh’n, Das macht mir den Schlaf so bang. Laßt über mein Grab die Zweige wehn, Waldvöglein fliegen mit Sang!“
Doch als sie schlief zum Sterben ein, Da hielten sie ihr nicht Wort, Sie legten in einen ehernen Schrein, In steinerne Gruft sie dort. Sie mauerten über ihr auf vom Grund Einen düstern Capellenbau, Die Fenster blinken vom Glase bunt, Wohl dunkelroth und blau.
Und ein Jahr und Jahrhundert um’s and’re kam, Vergessen die süße Frau, Vergessen des Königs Reich und Nam’! Verlassen das Kirchlein grau.
Da hat es genommen der tiefe Wald In seinen gründunklen Schooß: Kein Priester mehr singt, keine Glocke schallt, Die Schwellen versinken in Moos.
O sprich, hat Liebe denn solche Gewalt, Zu wünschen Lieb’ herbei? Nun schläft sie umfangen vom grünen Wald, Der Wald, der Wald ist treu!
Durch’s Fenster drängen die Zweige sich traut Mit Waldesrauschen und Duft. Waldvöglein haben ihr Nest gebaut Und singen über der Gruft.