Versos German Hugo von Hofmannsthal Die Frau

German poem

Die Frau

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Im blütenweißen, kleinen Garten saß ich oft, Den Blick aufs väterliche Handwerk hingewandt, Das nette Werk des Töpfers: wie der Scheibe da, Der surrenden im Kreis, die edle Form entstieg, Im stillen Werden einer zarten Blume gleich, Mit kühlem Glanz des Elfenbeins. Darauf erschuf Der Vater Henkel, mit Akanthusblatt geziert, Und ein Akanthus-, ein Olivenkranz wohl auch Umlief als dunkelroter Schmuck des Kruges Rand. Den schönen Körper dann belebte er mit Reigenkranz Der Horen, der vorüberschwebend lebenspendenden. Er schuf, gestreckt auf königliche Ruhebank, Der Phädra wundervollen Leib, von Sehnsucht matt, Und drüber flatternd Eros, der mit süßer Qual die Glieder füllt. Gewaltgen Krügen liebte er ein Bacchusfest Zum Schmuck zu geben, wo der Purpurtraubensaft Aufsprühte unter der Mänade nacktem Fuß Und fliegend Haar und Thyrsusschwung die Luft erfüllt. Auf Totenurnen war Persephoneias hohes Bild, Die mit den seelenlosen, roten Augen schaut, Und Blumen des Vergessens, Mohn, im heiligen Haar, Das lebenfremde, asphodelische Gefilde tritt. Des Redens wär kein Ende, zählt ich alle auf, Die göttlichen, an deren schönem Leben ich -- Zum zweiten Male lebend, was gebildet war -- An deren Gram und Haß und Liebeslust Und wechselndem Erlebnis jeder Art Ich also Anteil hatte, ich, ein Kind, Die mir mit halbverstandener Gefühle Hauch Anrührten meiner Seele tiefstes Saitenspiel, Daß mir zuweilen war, als hätte ich im Schlaf Die stets verborgenen Mysterien durchirrt Von Lust und Leid, Erkennende mit wachem Aug, Davon, an dieses Sonnenlicht zurückgekehrt, Mir mahnendes Gedenken andern Lebens bleibt Und eine Fremde, Ausgeschloßne aus mir macht In dieser nährenden, lebendgen Luft der Welt.