Versos German Hugo von Hofmannsthal Gute Stunde

German poem

Gute Stunde

by

Listen in the reader

Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt, Hier hab ich kein Haus, und hier hab ich kein Zelt!

Die Wege der Menschen sind um mich her, Hinauf zu den Bergen und nieder zum Meer:

Sie tragen die Ware, die ihnen gefällt, Unwissend, daß jede mein Leben enthält.

Sie bringen in Schwingen aus Binsen und Gras Die Früchte, von denen ich lange nicht aß:

Die Feige erkenn ich, nun spür ich den Ort, Doch lebte der lange vergessene fort!

Und war mir das Leben, das schöne, entwandt, Es hielt sich im Meer, und es hielt sich im Land!

DEIN ANTLITZ ...

Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen. Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben. Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schon In frühern Nächten völlig hingegeben

Dem Mond und dem zuviel geliebten Tal, Wo auf den leeren Hängen auseinander Die magern Bäume standen und dazwischen Die niedern kleinen Nebelwolken gingen

Und durch die Stille hin die immer frischen Und immer fremden silberweißen Wasser Der Fluß hinrauschen ließ -- wie stieg das auf!

Wie stieg das auf! Denn allen diesen Dingen Und ihrer Schönheit -- die unfruchtbar war -- Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz, Wie jetzt für das Anschaun von deinem Haar Und zwischen deinen Lidern diesen Glanz!