Versos German Joachim Ringelnatz Betrachtungen in einer Bahnhofswartehalle

German poem

Betrachtungen in einer Bahnhofswartehalle

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BETRACHTUNGEN IN EINER BAHNHOFSWARTEHALLE Wie seine eigne Spucke schmeckt, Das weiß man nicht. Wenn man in seinen Spiegel leckt, Kriegt man die Spucke zu Gesicht.

Das muß durchaus kein Spiegel sein. Man kann aufs Sofa, auf die Hand, Man kann auf jeden Gegenstand, Wenn man nur richtig hintrifft, spein.

Jedoch: Tut wohl ein Gent, Der etwas von Bazillen Weiß und die Folgen kennt, Bazillen das zu Willen??

Man spuckt von Bord ins Meer bei Sturm. Man spuckt diskret vom Eiffelturm (Bis unten sechs Sekunden). Man spuckt an einen Litfaßzaun, Doch nie in Gegenwart von Fraun Und stets in stillen Stunden.

Weh dem, der sie verliert! Weh dem, der sie vergeudet, Die Spucke! Sie bedeutet

Viel, wenn man raucht und priemt, frankiert, Umblättert, löscht, aquarelliert.

Die eigne Spucke, Mimikry, Verdirbt den Appetit uns nie. Ich bin nicht ihr Entdecker. Ich bin kein Speichellecker, Bin kein Feinschmecker, Doch ich liebe sie.

Ich liebe nur die meinige. Ausnahmen sind exzeptionell Und – frei gesagt – dann sexuell; Obwohl ich solche Leute niemals steinige.

Manches soll man verschlucken. Jetzt naht mein Zug. Die Zeit vergeht. Ich weiß, in jedem Wagen steht: „Nicht auf den Boden spucken.“